Die Kunst von Dominique Gonzalez-Foerster im K20

Bis zum 7. August 2016 zeigt das K20 am Grabbeplatz eine große Ausstellung der französischen Künstlerin Dominique Gonzalez-Foerster mit dem Titel „1887 – 2058“.

Bild: "K.2066" von Dominique Gonzales-Foerster
Bild: Dominique Gonzalez-Foerster
Dominique Gonzalez-Foerster

Als Abfolge von Räumen, Environments, Passagen und Filmen ist die Ausstellung „Dominique Gonzalez-Foerster 1887 – 2058“ eine wahre „Zeitmaschine“, die in Vergangenheit und Zukunft zugleich führt. Rund 30 assoziationsreiche Arbeiten laden die Besucher_innen des K20 ein, sich in höchst unterschiedliche Situationen, Räume und Personen zu versetzen. Alles dreht sich im Werk der 1965 in Straßburg geborenen Dominique Gonzalez-Foerster um die Erfahrung und Reflexion von Räumen und Zeiten.

 

Bild: Dominique Gonzalez-Foerster und Marion Ackermann
Dominique Gonzalez-Foerster (links) und Marion Ackermann

Die Ausstellung in der Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen ist gemeinsam mit dem Centre Georges Pompidou in Paris entstanden. Sie gibt mit ihren sorgfältig aufeinander bezogenen Installationen in zwei Ausstellungshallen als bislang größte Ausstellung der französischen Künstlerin einen Überblick über ihr Schaffen seit 25 Jahren. Auf einer Pressekonferenz am 22. April 2016 stellten Marion Ackermann (Direktorin der Kunstsammlung NRW) und Kurator Julian Heynen die Kunstschau im Beisein der Künstlerin vor.

 

Bild: Julian Heynen
Kurator Julian Heynen

Mit wenigen Elementen richtet Dominique Gonzalez-Foerster Räume ein, benutzt eigens geschaffene Sounds, macht Filme oder tritt selbst als historische Figur in Erscheinung. Bei all dem ist die Literatur ein wiederkehrender Bezugspunkt. Wie die Künstlerin selber sagt, soll eine Ausstellung „nie eine Modell-Erzählung, sondern vielmehr eine Stimulanz sein.“ Der aus zwei Jahreszahlen bestehende Titel der Ausstellung „1887 – 2058“ benennt zwei konkrete Arbeiten und deutet an, dass Zeit bei Gonzalez-Foerster in ein fließendes Kontinuum gerät.

 

Bild: "K.2066" von Dominique Gonzales-Foerster
"K.2066" von Dominique Gonzales-Foerster im Vordergrund mit Johannes Brus' "Nashorn"

Angeregt von den außerordentlichen Dimensionen der Grabbe-Halle des K20 hat die Künstlerin die Installation K.2066 (ursprünglich 2008 für die Turbine Hall von Tate Modern in London realisiert) deutlich erweitert. Sie erzählt damit zugleich eine Geschichte: Der Raum wird zu einem "Zufluchtsort für Kunstwerke und Menschen, nachdem jahrelanger Regen das Leben nachhaltig verändert hat". Neben zahlreichen Etagenbetten, auf denen Bücher als Lektüre ausgelegt sind, wurden Skulpturen anderer Künstler_innen "in Sicherheit gebracht": Arbeiten von Henry Moore und Alexander Calder, von Claes Oldenburg und Joel Shapiro, von Johannes Brus und Katharina Fritsch sind hier zu finden, alle um ein Drittel vergrößert.

 

Bild: Splendide Hotel (annexe), 2015, von Dominique Gonzales-Foerster
Splendide Hotel (annexe), 2015

Der Palacio de Cristal in Madrid hatte Dominique Gonzalez-Foerster 2014 zu einer großen Installation inspiriert. In und mit diesem 1887 errichteten Glaspalast schuf die Künstlerin mit alten Schaukelstühlen, zahlreichen Büchern, einem Teppichboden und verschiedenen Gegenständen ein Raum-Bild (Splendide Hotel (annexe), 2015), das die Zeit des ausgehenden 19. Jahrhunderts und den Beginn der Moderne in ihrer Widersprüchlichkeit assoziieren lässt. Der Titel Splendide Hotel verweist unter anderem auf Arthur Rimbaud. In Après le Déluge, dem ersten Gedicht seines 1886 erschienenen Buches Illuminations, erwähnt er ein Gewächshaus und ein Hotel Splendide, das im
Chaos und in unwirtlicher Situation gebaut worden sei.

Bild: R.W.F. (room) (1993) von Dominique Gonzales-Foerster
R.W.F. (room) (1993)

Die Kopie eines Fotos von Rainer Werner Fassbinder, ein braunes Bett, ein brauner Sessel, Leuchtstoffröhren, ein brauner Teppich und brauner Wandanstrich sind Bestandteile der Installation R.W.F. (room) (1993). Es ist ein Raum entstanden, der mit verschiedenen Funktionen assoziiert werden kann: Er wird zum Schlaf- oder Hotelzimmer, zur Disko, zur Höhle, Grabkammer oder Filmkulisse. All dies scheint dem Schlafzimmer des Filmemachers Rainer Werner Fassbinder zu entsprechen, das Robert Katz in seinem Buch "Love is Colder Than Death: The Life and Times of Rainer Werner Fassbinder" beschrieben hat.

 

Auftakt und Abschluss der Ausstellung haben einen deutlichen Düsseldorf-Bezug: Es beginnt mit einer Passage, die ganz in das Rosa getaucht ist, das man von der Fassade von Schloss Benrath in Düsseldorf her kennt. Dominique Gonzalez-Foerster hat Mitte der 1980er Jahre kurz an der hiesigen Kunstakademie studiert. Ganz am Ende der Ausstellung trifft man erneut auf eine Wand in dieser Farbe. Darauf hängt das Bild „Schwarzer Fürst“ (1927) von Paul Klee aus dem Besitz der Kunstsammlung. Es spielt eine zentrale Rolle in einer Geschichte des spanischen Autors Enrique Vila-Matas, der nicht nur ein guter Freund der Künstlerin ist, sondern in dessen Texten sie und ihre
Arbeiten bisweilen auftauchen.

 

Eine sehr sehenswerte Ausstellung!

 

Tipp: Am 25. Juni 2016 findet eine Musik-Performance von Ari Benjamin Meyers mit dem Titel "Serious Immobilities" in der Installation K.2066 von Dominique Gonzales-Foerster statt (13.00 bis 20.00 Uhr).

 

Dominique Gonzalez-Foerster: 1887 – 2058
23.04. – 07.08.2016
K20 Grabbeplatz

www.kunstsammlung.de

 

Text und Fotos: Oliver Erdmann | Quelle: Kunstsammlung NRW – K20 Grabbeplatz