Peter Lindbergh: Untold Stories

Der Düsseldorfer Kunstpalast zeigt vom 5. Februar bis 1. Juni 2020 eine beeindruckende Werkauswahl des international bekannten Fotografen Peter Lindbergh. Zu sehen sind rund 140 Arbeiten, die Lindbergh noch vor seinem Tod selbst zusammengestellt hat.

Bild: Peter Lindbergh: Untold Stories
Die Ausstellung "Peter Lindbergh: Untold Stories" ist bis zum 1. Juni 2020 im Kunstpalast zu sehen. // Foto: Oliver Erdmann

Eigentlich sollte die Schau „Peter Lindbergh by Peter Lindbergh“ heißen, verrät Felix Krämer, Generaldirektor des Kunstpalast, in der Pressekonferenz am 04.02.2020. Kurz nach seiner Berufung zum Museumsdirektor in Düsseldorf im Jahr 2017 habe er Peter Lindbergh gefragt, ob dieser Lust hätte auf eine Retrospektive. „Retrospektive? Ne, so alt bin ich noch nicht!“, habe der damals erwidert, so Krämer. Lindbergh sei aber sogleich Feuer und Flamme gewesen, als ihm Krämer anbot, dass der Fotograf selbst als Kurator für seine Ausstellung tätig sein könne. Gesagt, getan. Es folgten erste persönliche Gespräche, dann eine intensive zweijährige Konzeptionsphase – gemeinsam mit Felix Krämer und seiner Mitarbeiterin Felicity Korn.

 

Bild: Kunstpalast-Ausstellung
Peter Lindbergh: Untold Stories – Blick in die Ausstellungsräume. // Foto: Oliver Erdmann

Kurz nach der Fertigstellung der Ausstellung „Untold Stories“ – dieser Titel stand für Lindbergh von vornherein fest – im Sommer vergangenen Jahres verstarb der in Duisburg aufgewachsene Fotograf im September 2019. Peter Lindbergh, der u.a. in Paris und New York zu Hause war, hatte sich in den 1980er Jahren international einen Namen als Modefotograf gemacht. Er porträtierte Supermodels ebenso wie Schauspieler*innen und Musiker*innen. Bereits 2017 waren seine Arbeiten zusammen mit Aufnahmen von Garry Winogrand unter dem Titel „Women on Street“ im NRW-Forum Düsseldorf zu sehen. Jetzt also kehrt Lindbergh posthum mit einer selbst kuratierten Ausstellung zurück in die Landeshauptstadt.

 

Bild: Fotos von Peter Lindbergh
Peter Lindbergh hat noch vor seinem Tod die Ausstellung selbst zusammengestellt. // Foto: Oliver Erdmann

Die Zusammenstellung umfasst 140 Arbeiten aus den frühen 1980er-Jahren bis heute und ermöglicht einen eingehenden Blick auf sein umfangreiches Schaffenswerk. Ein Großteil der Fotoaufnahmen wurde noch nie in Ausstellungen gezeigt; andere wurden von Zeitschriften wie Vogue, Harper’s Bazaar, Interview, Rolling Stone, W Magazine oder dem Wall Street Journal in Auftrag gegeben und veröffentlicht. Nicht die Mode, sondern der porträtierte Mensch steht in Lindberghs Bildern im Vordergrund. Mit seinen Werken ist es ihm gelungen, den unmittelbaren Kontext von Modefotografie und zeitgenössischer Kultur zu überschreiten und neu zu definieren.

 

Bild: Großformatige Arbeiten von Peter Lindbergh
Großformatige Arbeiten auf Wandtapeten. // Foto: Oliver Erdmann

Den Rahmen für die Ausstellung bilden zwei großformatige Installationen mit Lindberghs Fotografien an den acht Meter hohen Wänden des Kunstpalasts. Dazwischen sind zahlreiche, in braunen Holzrahmen präsentierte Arbeiten zu sehen, die Lindbergh chronologisch angeordnet hat. Neben berühmten Gesichtern finden sich auch Landschaftsaufnahmen, Stillleben oder Tierporträts wieder. Den berührenden Abschluss bildet die Filminstallation „Testament“ von 2013, ein 30-minütiges Videoporträt eines in den USA zum Tode verurteilten Mörders, die zum ersten Mal Teil einer Ausstellung ist.

 

Bild: "Testament" von Peter Lindbergh
Lindbergh-Arbeit "Testament": Videoportät eines in den USA zum Tode verurteilten Mörders. // Foto: Oliver Erdmann

Nach der Ausstellung im Kunstpalast Düsseldorf ist die Lindbergh-Schau im Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg, im Hessischen Landesmuseum Darmstadt und im MADRE in Neapel zu erleben. Im TASCHEN-Verlag ist ein 320 Seiten umfassender Katalog erschienen.

Infos: www.kunstpalast.de

 

Text: Oliver Erdmann