Keith Haring und Plakate gegen AIDS

Das Museum Folkwang in der Ruhrmetropole Essen zeigt bis zum 29. November 2020 eine umfassende Ausstellung mit Werken des US-amerikanischen Künstlers Keith Haring und parallel eine beeindruckende Schau von internationalen Plakaten gegen AIDS.

Bild: Keith Haring - Untitled
Eines der zahlreichen "Untitled"-Bilder von Keith Haring, die in der Essener Ausstellung zu sehen sind. | Keith Haring, Untitled, 1982 © Keith Haring Foundation // Foto: Oliver Erdmann

Tanzende Männchen, bellende Hunde und fliegende Untertassen. Mit solchen Motiven wurde Keith Haring in den 1980er Jahren berühmt. Zuerst als Guerilla-Künstler in den New Yorker U-Bahn-Stationen, dann zunehmend als Teil der Künstler-, Club- und Schwulenszene. Mit seinem ikonisch gewordenen Plakat „Ignorance = Fear, Silence = Death“ von 1989 setzt sich Haring, der offensiv mit seiner Homosexualität und zuletzt auch mit seiner HIV-Infektion umging, für die Enttabuisierung von AIDS ein. 1990 stirbt er selbst im Alter von nur 31 Jahren an den Folgen von AIDS.

 

Die große Keith Haring-Ausstellung im Essener Museum Folkwang zeigt rund 200 Exponate, darunter berühmte Gemälde, großformatige Zeichnungen, frühe Videoarbeiten, Skulpturen, Fotografien und Archivmaterialien.

 

Bild: Apocalypse von Keith Haring
Im Jahr 1988 erfährt Keith Haring, dass er HIV-positiv ist, was zu der damaligen Zeit einem Todesurteil gleichkommt. Im selben Jahr entsteht der 10-teilige Zyklus "Apocalyse" zu Texten von William S. Burroughs. // Foto: Oliver Erdmann
Bild: Kunstwerk von Keith Haring
Bei seinem Werk "Schweigen = Tod" verweist Keith Haring mit dem umgedrehten Rosa Winkel auch auf die Homosexuellen-Verfolgung in Deutschland zur Zeit der Nazis. | Keith Haring, Silence = Death, 1989 © Keith Haring Foundation // Foto: Oliver Erdmann
Bild: Rotes Kunstwerk von Keith Haring
Keith Haring, Untitled, 1987 © Keith Haring Foundation // Foto: Oliver Erdmann
Bild: Plakate mit Keith Haring Motiven
Keith Harings selbstbewusste Homosexualität fand sich auch in seinen Kunstwerken wieder. Sein Plakat "Ignorance = Fear. Silence = Death" für die Aktivistengruppe ACT UP wird zum ikonischen Motiv im Kampf gegen Aids. // Foto: Oliver Erdmann

Parallel dazu wird in der Ausstellung „Rettet die Liebe!“ das Thema AIDS-Aufklärung und Präventionsarbeit aufgegriffen. Erstmals sind rund 180 Plakate aus fünf Kontinenten zu sehen, die die unterschiedliche Ansprache über Jahrzehnte und Kulturen hinweg veranschaulichen. Von den progressiven Kondom-Plakaten der Deutschen Aidshilfe Mitte der 2000er Jahre bis hin zu diskreten Motiven aus Asien oder arabischen Staaten wie dem Oman. Ergänzt wird die Ausstellung durch zahlreiche Statistiken, die die Anzahl der Betroffenen, darunter die Neuinfektionen und Sterberate, in den jeweiligen Regionen visualisieren.

 

Bild: Ausstellung "Rettet die Liebe!"
Mitte der 2000er-Jahre waren die Kondom-Plakate der Deutschen Aidshilfe überall zu sehen. Heute gibt es kaum noch Plakat-Aktionen zur HIV-Prävention im öffentlichen Raum. // Foto: Oliver Erdmann
Bild: Benetton-Werbung aus 1992
Für Empörung sorgte 1992 die Werbekampagne des Modelabels "United Colors of Bennetton" mit dem Foto von der Familie des Aids-Aktivisten David Kirby an dessen Totenbett. // Foto: Oliver Erdmann
Bild: Aidsplakate aus dem Oman
Noch im Jahr 2005 geht man im arabischen Sultanat Oman mit AIDS eher zurückhaltend um. // Foto: Oliver Erdmann
Bild: Aids-Statistiken
Statistiken veranschaulichen die Anzahl der von HIV und AIDS Betroffenen in den jeweiligen Regionen. // Foto: Oliver Erdmann

Ergänzend bietet das Museum Folkwang spezielle Führungen an:


Führung „Queer as Folk“ – Die Teilnehmer*innen nehmen weitere Werke in der Sammlung Folkwang aus einer LSBTIQ*-Perspektive in den Blick. Teilnahme kostenfrei mit Eintrittskarte zur Ausstellung „Keith Haring“ und Teilnahmesticker. Begrenzte Teilnehmer*innenzahl.
10. Oktober, 15.00 bis 17.00 Uhr


Öffentliche Führungen mit Mitarbeiter*innen der Aids-Hilfe Essen. Kostenfrei mit Eintrittskarte und Teilnahmesticker, der ab einer Stunde vor Führungsbeginn an der Kasse erhältlich ist. Begrenzte Teilnehmer*innenzahl.
10. September, 17.00 Uhr | HIV und Sucht
08. Oktober, 17.00 Uhr | HIV und Migration
29. Oktober, 17.00 Uhr | HIV und Frauen
12. November, 17.00 Uhr | HIV und LGBTIQ*

 

Text: Oliver Erdmann