Love Is A Losing Game

„Roméo et Juliette“ von Charles Gounod steht derzeit auf dem Spielplan der Deutschen Oper am Rhein. In seiner Inszenierung beschränkt sich Regisseur Philipp Westerbarkei auf die tragischen Aspekte der Liebe zwischen Romeo und Julia.

Bild: Ovidiu Purcel und Luiza Fatyol
Ovidiu Purcel (Roméo), Luiza Fatyol (Juliette). | Foto: Hans Jörg Michel

In ihrem Song „Love Is A Losing Game“ aus dem Jahre 2006 bringt die britische Sängerin Amy Winehouse die Sache auf den Punkt: „Ich brannte für dich. Die Liebe ist ein Spiel, bei dem es nur Verlierer gibt.“ Textlich wie auch atmosphärisch ist das Stück aus dem Album „Back to Black“ ganz großes Kino, ein gesungenes Liebesdrama par excellence. Es sollte ihre letzte Veröffentlichung zu Lebzeiten werden.

 

An dieses kleine Stück Musikgeschichte fühlt man sich bei Philipp Westerbarkeis Inszenierung der Oper „Roméo et Juliette“ von Charles Gounod erinnert. Die gesamte Szenerie bleibt eher im Dunkeln, zuweilen muss man die Hauptpersonen sogar suchen. Sein Liebespaar kommt sich nie so richtig nah, von Romantik zwischen Romeo (Ovidiu Purcel) und Julia (Luiza Fatyol) ist wenig zu spüren. Die tragischen Aspekte ihrer Liebe überschatten alles.

 

Bild: Luiza Fatyol, Michael Kraus, Ensemble und Chor der Deutschen Oper am Rhein
Luiza Fatyol (Juliette), Michael Kraus (Capulet), Ensemble und Chor der Deutschen Oper am Rhein. | Foto: Hans Jörg Michel

Die Handlung nach William Shakespeares Tragödie ist bekannt. Romeo Montague und Julia Capulet verlieben sich unsterblich ineinander, doch sie stammen aus zwei verfeindeten Familien. Eine Heirat scheint unmöglich. Julias Vater will seine Tochter stattdessen mit dem Edelmann Paris vermählen. Die Familienfehde spitzt sich blutig zu. Romeo und Julia geben sich im Geheimen das Ja-Wort und wollen gemeinsam aus der Stadt fliehen. Doch der Plan schlägt fehl und am Ende finden beide Liebenden den Tod. 

 

Bild: Luiza Fatyol und Ovidiu Purcel
Luiza Fatyol (Juliette), Ovidiu Purcel (Roméo). | Foto: Hans Jörg Michel

Doch der junge Regisseur Philipp Westerbarkei hat Anderes vor. Er verzichtet auf innige Liebesszenen, die Gounods zahlreiche Duette fast schon herausfordern. Er entledigt sich der berühmten Balkon-Szene, stattdessen steht seine Juliette auf einem Turm aus Stühlen (Bühne: Tatjana Ivschina). Am Ende beweint sie zwar den Gifttod von Roméo, steigt dann aber wieder in ihr Brautkleid und lässt sich von Paris zum Altar führen. Eine interessante Wendung. Und über der Schluss-Szene prangt der Schriftzug „Love Is A Losing Game“. Das hätte Amy Winehouse womöglich gefallen.

 

Bild: Luiza Fatyol als Juliette im Brautkleid
Luiza Fatyol (Juliette), Chor der Deutschen Oper am Rhein. | Foto: Hans Jörg Michel

Wie auch immer, die Romantik steuert die Musik von Charles Gounod bei. Die Düsseldorfer Symphoniker unter der Leitung von David Crescenzi spielen wundervoll. Der Chor der Oper am Rhein unter Gerhard Michalski singt und spielt famos. In den beiden Hauptrollen glänzen Ovidiu Purcel und Luiza Fatyol. Zu wummerndem Herzklopfen überbrücken zwei Schauspielende (Maria Saukel-Plock und Egor Reider) als Romeo-und-Julia-Reprise die Umbaupausen. Alles in allem also eine schöne Aufführung, die das Publikum bei der Freundeskreis-Premiere am 6. April nach drei Stunden wohlwollend beklatscht.

 

Bild: Maria Boiko, Ovidiu Purcel, Bogdan Baciu und Herrenchor
Maria Boiko (Stéphano), Ovidiu Purcel (Roméo), Bogdan Baciu (Mercutio), Herrenchor. | Foto: Hans Jörg Michel

Weitere Aufführungen im Opernhaus Düsseldorf: Do 18.04. um 19.30 Uhr / Mi 24.04. um 19.30 Uhr / Sa 27.04. um 19.30 Uhr / Sa 11.05. um 19.30 Uhr / Sa 18.05. um 19.30 Uhr / So 26.05. um 18.30 Uhr

 

Infos: www.operamrhein.de

 

Bild: Luiza Fatyol als Juliette und Ovidiu Purcel als Roméo
Luiza Fatyol (Juliette), Ovidiu Purcel (Roméo). | Foto: Hans Jörg Michel

Text: Oliver Erdmann