Queere Kunst aus Korea

Das Werk der koreanischen Künstlerin und LGBTQ-Aktivistin siren eun young jung ist jetzt in einer Ausstellung in Düsseldorf zu sehen. Ihre dokumentarische Auseinandersetzung mit dem historischen Frauentheater in ihrer Heimat schafft einen Bezug zur queeren Community von heute.

Bild: siren eun young jung
Die koreanischen Künstlerin und LGBTQ-Aktivistin siren eun young jung beim Rundgang durch die Ausstellung DEFERRAL THEATRE am 28. Februar 2020. // Foto: Oliver Erdmann

Der Kunstverein für die Rheinlande und Westfalen in Düsseldorf startet sein Jahresprogramm mit der ersten europäischen Einzelausstellung der in Seoul lebenden Künstlerin siren eun young jung. Im Zentrum der Düsseldorfer Ausstellung DEFERRAL THEATRE steht ihr Yeoseong Gukgeuk Projekt. Unter Rückgriff auf die historische Theaterform eröffnet sie „Räume für die Verhandlung und Sichtbarkeit von queeren Wünschen, Widerstandsmustern, Affekten und Begierden sowie Räume für subversive Subjektivitäten, Geschlechterfluidität und die Performance von Differenz“, wie es im Kunstverein-Sprech heißt.

 

Bild: Kunstwerk von siren eun young jung
siren eun young jung: A Performing by Flash, Velocity, and Noise (part 3), 2019. // Foto: Oliver Erdmann

In dem seit den 1960er Jahren in Vergessenheit geratenen Yeoseong Gukgeuk-Theater werden alle Figuren – egal ob männlich oder weiblich – von Frauen gespielt. Die Männer, die von Yeoseong-Gukgeuk-Schauspielerinnen repräsentiert werden, erscheinen einerseits wie Stereotype. Gleichzeitig repräsentieren die Darstellerinnen aber immer auch ein einzigartiges Geschlecht, das die Definition von Männlichkeit übersteigt. siren eun young jung hat für ihr Kunstprojekt Darstellerinnen aus drei Generationen getroffen, Interviews geführt und sich in die geheimnisvolle Welt des Yeoseong Gukgeuk (mit einer eigenen Schriftsprache) eingearbeitet.

 

Bild: A Performing by Flash, Velocity, and Noise
siren eun young jung: A Performing by Flash, Velocity, and Noise (part 3), 2019. // Foto: Oliver Erdmann

In der Düsseldorfer Ausstellung werden siren eun young jungs Arbeiten in einer eigens für den Kunstverein entstandenen Rauminstallation präsentiert. In einem vibrierenden Setting aus Farbe, Vorhängen, Videoarbeiten, Sound und Collagen treten die Protagonistinnen dieses einst so populären Frauentheaters in Dialog mit queeren Performer*innen der Gegenwart. So arbeitet die 45-jährige Künstlerin, die sich auch als LGBTQ-Aktivistin sieht, für ihr Projekt mit dem südkoreanischen Drag King AZANGMAN und der queeren Musiker*in KIRARA zusammen. 2016 initiierte sie für ihre Arbeit „Anomalous Fantasy“ eine gemeinsame Aufführung mit einer Yeoseong-Gukgeuk-Schauspielerin und dem südkoreanischen Gay Choir G-Voice im Namsan Art Centre in Seoul.


siren eun young jung erhielt 2018 den koreanischen Kunstpreis (Korean Artist Price) und gestaltete 2019 den Koreanischen Pavillon auf der 58. Biennale in Venedig.

 

Bild: Collagen von siren eun young jung
siren eun young jung: Deferral Archive, 2018. // Foto: Oliver Erdmann

siren eun young jung: DEFERRAL THEATRE
29. Februar bis 5. April 2020
Kunstverein für die Rheinlande und Westfalen, Düsseldorf, Grabbeplatz 4, 40213 Düsseldorf

 

Text: Oliver Erdmann | Quelle: Kunstverein für die Rheinlande und Westfalen, Düsseldorf