Queere Themen in der Kunsthalle

In der aktuellen Gruppenausstellung „Journey Through A Body“ in der Kunsthalle Düsseldorf dreht sich alles um den Körper, Geschlechtsidentitäten und Selbstidentifikation. Ein Rahmenprogramm bietet Vorträge, Workshops und Performances zu queeren Themen.

Bild: Installation von Tschabalala Self
Installationsansicht Tschabalala Self Kunsthalle Düsseldorf | Journey Through A Body, 2021 | Foto: Katja Illner

Die Ausstellung „Journey Through A Body“, die noch bis zum 1. August 2021 in der Kunsthalle Düsseldorf zu sehen ist, untersucht Körperwahrnehmungen und -verständnisse im Kontext von Geschlechtsidentitäten und Selbstidentifikation. In den Werken von sechs jungen, aus diversen und internationalen Perspektiven auf den menschlichen Körper und seine Identitätsfragen schauenden, Künstler*innen werden so, auf sehr verschiedene Weise und in vielfältigen Medien, spannende Fragestellungen zu Gender- und Identitätskonzepten diskutiert. Gezeigt werden Kunstwerke von Kate Cooper, Luki von der Gracht, Christina Quarles, Nicole Ruggiero, Tschabalala Self und Cajsa von Zeipel.


Zu der von Gregor Jansen und Alicia Holthausen kuratierten Ausstellung „Journey Through A Body“ ist ein ergänzender und dokumentierender, zweisprachiger Reader geplant. Begleitend ist auch ein umfangreiches Veranstaltungs- und Vermittlungsprogramm entstanden, in dem sich die Besucher*innen selbst auf diversen Ebenen (von informativ bis interaktiv), in diversen Formaten (Workshops, Performances und Lectures) und in diversen Medien (Tanz, Literatur, Fotografie, Textil, Theater u.a.) mit dem Thema Körper auseinandersetzen können.


Los geht’s am 5. Juni mit einer Lecture mit Kai van Eikels zur japanischen Kawai-Kultur und queerem Cosplay. SCHLAU Düsseldorf, das Aufklärungsprojekt für geschlechtliche und sexuelle Identitäten, bietet am 13. Juni und am 8. Juli einen Workshop an. Einen Voguing-Workshop mit ZOE gibt’s am 19. Juni. Der Künstler Dominik Geis präsentiert am 25. Juni eine Gesangsperformance, in der er eine Art androgynen Charakter erschafft. Im Workshop mit Kinderbuchautor Markus Orths („Das Zebra unterm Bett“) gibt es Büchertipps zu Themen wie Körper, Familie und Sexualität. Am 1. August wird eine Fashion Show zu einer Form von queerem Aktionismus – mit sechs queeren Performerx, darunter professionelle Tänzer*innen, Dragqueens, Models und Schauspieler*innen.


Eine Anmeldung zu allen Terminen ist erforderlich unter: bildung@kunsthalle-duesseldorf.de

 

Weitere Infos zur Ausstellung: www.kunsthalle-duesseldorf.de

 

Das Begleitprogramm als PDF gibt's hier: www.kunsthalle-duesseldorf.de/media/begleitprogramm_jtab.pdf

 


Düsseldorf Queer Tipps:

 

5. Juni 2021, 18.00 – 19.30 Uhr | Lecture
Kai van Eikels | Queer kawaii: Geschlecht und Linienspiel
Niedlichkeit zieht alles ins Zweidimensionale und schickt es von dort in die jeweilige Ausdehnung zurück: Der Körper geht aus einer Zeichnung neu hervor. Kawaii-Kultur erlaubt es auszutesten, wie das Spiel von Linien und Proportionen die körperliche Wirklichkeit zu verändern vermag. Queeres Cosplay löst Grenzen zwischen männlich und weiblich, jung und alt, Mensch, Tier und Ding auf, um andere, aufregendere Unterscheidungen einzuführen. Was erwartet uns östlich des Binären?

13. Juni 2021, 14 – 17 Uhr | 08. Juli 2021, 14 – 17 Uhr | Workshop
SCHLAU Düsseldorf | Sexuelle und geschlechtliche Vielfalt – was ist das eigentlich genau?
SCHLAU ist ein Bildungs- und Antidiskriminierungsprojekt zu geschlechtlichen und sexuellen Identitäten. In Workshops mit Schulklassen, Jugendlichen und jungen Erwachsenen bietet es die Möglichkeit, mit jungen lesbischen, schwulen, bi- und pansexuellen, trans*, nichtbinären, aromantischen, asexuellen und queeren Menschen ins Gespräch zu kommen. Mittels pädagogischer Methoden und evaluierter Konzepte aus der Antidiskriminierungs- und Menschenrechtsarbeit führt es niedrigschwellig und unaufgeregt in die Themengebiete ein, vermittelt Wissen und regt zu einem aktiven Austausch an. Dabei wird auch über verschiedene Lebenswirklichkeiten und Biografien, das eigene Coming-out, Diskriminierungserfahrungen sowie Vorurteile und Rollenbilder gesprochen.
Während des Workshops im Rahmen der Ausstellung Journey Through a Body tritt SCHLAU mit den Teilnehmer*innen in den Dialog. Gemeinsam wird nach Lösungen für einen diskriminierungsfreien Alltag gesucht, in dem jeder Mensch ohne Angst er*sie*they selbst sein kann.

19. Juni 2021, 18.00 – 20.30 Uhr | Workshop
ZOE | Voguing Workshop: Female Figure Performance
„Female Figure Performance“ ist eine Kategorie im Ballroom, in der Personen mit weiblicher Gender Expression antreten. Durch die tänzerischen Elemente des Voguing, einem Tanzstil, der seine Wurzeln in der New Yorker Black- und Latinx-LGBTQI+Community aka Ballroom Community hat, wird der Körper in einer hyperfemininen Ästhetik inszeniert. Ballroom ist ein inklusiver Ort und der Workshop richtet sich an alle, die daran interessiert sind, in einem sicheren Raum die Elemente des Voguing zur erlernen und mit weiblicher Gender Expression zu experimentieren.


25. Juni 2021, 16.30-17.30 Uhr | Performance
Dominik Geis | neon grey
In der Gesangsperformance neon grey erschafft Dominik Geis eine Art androgynen Charakter. Getragen von poppigen Klangcollagen und Synthesizersounds und von einer Videoinstallation ummantelt, ertönt seine Stimme. Es entsteht ein atmosphärisches Wechselspiel aus Klang und Klangbild, das melancholisch die Grautöne zwischen „andro“ und „gyn“ zum Schwingen bringt.

14. Juli 2021, 10 – 13 Uhr | Workshop
Markus Orths | Das Zebra im Museum
Was ist schon „normal“, und wie gehen wir damit um, wenn uns etwas „anders“ oder neu vorkommt? Zum Beispiel, wenn plötzlich ein sprechendes Zebra auftaucht oder jemand zwei Papas hat, wie in Markus Orths’ Kinderbuch Das Zebra unterm Bett. – Unaufgeregt und aufgeschlossen! So gelingt es in dieser Geschichte, und so wünschen es sich auch die Künstler*innen der Ausstellung Journey Through a Body. Im Workshop gehen die Teilnehmer*innen mit dem Autor auf Entdeckungsreise durch die Ausstellung. Sie sammeln Ideen für eigene Geschichten und schreiben diese auf – mit Tipps vom Profi. Markus Orths’ neustes Buch Ein Elefant macht Handstand ist in Zusammenarbeit mit seiner Tochter Lola entstanden. Die beiden erzählen eine Geschichte und gleichzeitig, wie man selbst spannende Geschichten schreibt. Im Workshop gibt es außerdem viele weitere Bücher zu Themen wie Körper, Familie oder Sexualität zu entdecken. In Kooperation mit dem Literaturbüro NRW e.V. und der Stadtbücherei Düsseldorf.

01. August 2021, 17 – 18 Uhr | Performance
Protogynous Collective (ISaAc Espinoza-Hidrobo, Julian Quentin, Christi Knak Tschaikowskaja) | the manifold gender
Eine Fashion Show als Form von queerem Aktionismus: der Treppenabsatz vor dem Eingang der Kunsthalle Düsseldorf wird zum Catwalk. Sechs queere Performerx, darunter professionelle Tänzer*innen, Dragqueens, Models und Schauspieler*innen, sollen sich selbst performen. Dazu haben sie sich mit der Frage beschäftigt, was das eigene Selbst ausmacht. Die Kleidung, die sie tragen, wurde nach ihren freien Vorstellungen und ihrem Selbstbild angefertigt. Fashion entsteht so aus ihnen und verfließt mit ihnen – sie wird zum erweiterten Körper.

 


Text: Oliver Erdmann | Quelle: Kunsthalle Düsseldorf