Du siehst gar nicht schwul aus!

In seinem selbst illustrierten Buch „You don’t look gay“ berichtet der 30-jährige Autor Julius Thesing über die alltägliche Diskriminierung von Homosexuellen. Es geht um diskriminierende Sprache, um traditionelle Geschlechterrollen und um die Angst vor Hass und Gewalt.

Bild: Motiv aus "You don't look gay"
„Wer von beiden ist denn die Frau?“ // Bild: Bohem Press

„Du siehst gar nicht schwul aus!“
„Mit Schwuchtel meine ich ja nicht dich.“
„Wer von beiden ist denn die Frau?“
Na, wiedererkannt? Homophobie versteckt sich im Alltag oft hinter unbedachten Phrasen und ist im Grunde nie so gemeint. Wie fühlt es sich aber an, solche Sätze immer wieder hören zu müssen? Und wird sich das noch ändern?

 

Eine illustrierte und sehr persönliche Auseinandersetzung mit dem Weg zum Coming-Out, mit Geschichten aus dem Sex-Shop, solchen von Wut und Enttäuschung, Mut und Zuversicht, doch vor allem eine Auseinandersetzung mit der alltäglichen Homophobie. Ein Buch, das gleichzeitig nachdenklich und manchmal sogar wütend macht und Anlässe zum Schmunzeln gibt; das informiert, die Augen öffnet und helfen kann.

 

Bild: Julius Thesing
Julius Thesing // Foto: Parcours

Auf der Suche nach einem Thema für seine Bachelorarbeit war Julius Thesing ziemlich schnell klar, dass er homophobe Diskriminierung inhaltlich und grafisch in Szene setzen wollte. „Immer wieder frage ich mich selbst, ob ich das Recht dazu habe, von Diskriminierung zu sprechen, wenn es doch noch viel schlimmere, brutalere Erfahrungsberichte gibt“, schreibt der 30-jährige Autor und Illustrator im Vorwort. Man dürfe aber nicht zulassen, dass unterschiedliche Formen von Diskriminierung gegeneinander aufgewogen und so relativiert würden, so Thesing.


Sein Buch sei „ein Versuch, greifbar zu machen, wie sich alltägliche Diskriminierung anfühlt“, sagt Julius Thesing. Das ist ihm wahrlich gelungen.

 

Bild: Buchcover "You don't look gay"

You don’t look gay

Julius Thesing
96 Seiten
Verlag BOHEM PRESS
ISBN 978-3-95939-094-1
14,95 Euro

 

Text: Oliver Erdmann | Quelle: Bohem Press