Aus für Queer im Alter

Der Ausschuss für Gesundheit und Soziales hat in seiner gestrigen Sitzung das Projekt „Queer im Alter“ für beendet erklärt. Ab sofort soll es jährlich nur noch 20.000 Euro für einzelne Projekte mit queeren Senior*innen im Bedarfsfall geben.

Blick in den Plenarsaal des Düsseldorfer Rathauses mit sitzenden Menschen an Tischreihen.
Die Sitzung des Ausschusses für Gesundheit und Soziales am 3. März 2026 fand im Plenarsaal des Düsseldorfer Rathauses statt. // Foto: Screenshot des Livestreams

Auf der Sitzung des Ausschusses für Gesundheit und Soziales standen am 3. März 2026 auch Förderanträge für Projekte von freien Trägern zur Abstimmung, die sich an die LSBTIAQ*-Community richten. So hatten die AWO Düsseldorf und die Aidshilfe Düsseldorf als gemeinsame Träger des Projektes „Queer im Alter“ beantragt, diese wichtige und erfolgreiche Anlauf- und Beratungsstelle für ältere queere Menschen in Düsseldorf weiterhin zu fördern. Für das Jahr 2026 waren Mittel in Höhe von 124.872 Euro beantragt worden.

 

„Queer im Alter“ ist eine Anlauf- und Beratungsstelle für LSBTIAQ* ab 55 Jahren sowie für Fachkräfte aus den Bereichen Pflege, Gesundheit und der offenen Senior*innenarbeit. Mit speziell auf die Bedürfnisse der queeren älteren Community zugeschnittenen Beratungs- und Unterstützungsangeboten soll die Lebensqualität und Teilhabe in allen Lebensphasen gestärkt werden. Zuvor hatte zwischen 2019 und 2024 die Fachstelle „Altern unterm Regenbogen“ wichtige Impulse gesetzt. Aktuell sind zwei Fachberater mit jeweils einer halben Stelle für „Queer im Alter“ tätig.

 

Nach Ansicht von CDU und Grünen ist die Arbeit des Projektes jedoch abgeschlossen. Einrichtungen im Bereich Soziales und Gesundheit sollen fortan die Bedarfe von älteren queeren Menschen selbstständig erkennen und auf sie reagieren. Nachdem bei den Haushaltsberatungen für 2025 das Vorläufer-Projekt „Altern unterm Regenbogen“ bereits unter den Tisch gefallen war und erst nachträglich durch interne Maßnahmen eine Förderung für „Queer im Alter“ ermöglicht werden konnte, bedeutet die aktuelle Entscheidung nun das endgültige Aus für die städtische Förderung der Beratungsstelle für ältere LSBTIQ*.

 

In der Ausschusssitzung stellte Ratsfrau Frieda Niewald (Bündnis 90/Die Grünen) einen Änderungsantrag zu „Queer im Alter“ vor. Mittel in Höhe von 20.000 Euro sollen fortan jährlich für Projekte für diesen Themenbereich aus dem Haushalt abgerufen werden können. Ratsherr Andreas-Paul Stieber (CDU) wurde anschließend deutlicher: „Wir lehnen den vorliegenden Antrag der AWO und der Aidshilfe ab!“ Stattdessen schaffe man mit 20.000 Euro einen Bedarfsfonds, „die abgerufen werden können von freien Trägern und den städtischen Einrichtungen, um die von Ihnen im Antrag zu lesenden Bedarfe fallweise, effizient und bedarfsgerecht zu decken.“

 

Ratsfrau Dr. Christiane Rachner (FDP) sagte, es habe in den letzten Jahren immer geheißen, „das Thema sei in die Regelleistung übergegangen, und keine zusätzliche Förderung sei mehr nötig.“ Eine Förderung in Höhe von 20.000 Euro findet sie „halbherzig“, es sei „keine durchdachte Strategie“ erkennbar. „Entweder Sie unterstützen den Antrag oder sie erzählen uns, dass die Regelleistung das übernimmt“, so Rachner weiter. Auch Ratsfrau Franca Bavaj (SPD/Volt) zeigte sich irritiert über das Vorgehen der Koalition und entsetzt darüber, dass „nach Altern unterm Regenbogen jetzt auch Queer im Alter damit beendet werden soll“. Für ihre Fraktion sei klar, dass es das Projekt weiterhin braucht. Man wolle daher dem Antrag der Träger zustimmen und könne nicht viel mit dem Änderungsantrag anfangen.

 

Im weiteren Verlauf votierten nur die Fraktionen SPD/Volt, FDP und Die Linke für den Förderantrag von AWO und Aidshilfe. CDU, Grüne, AfD und Freie Wähler/Tierschutz/PARTEI stimmten dagegen. Der Änderungsantrag der Koalition wurde mit den Stimmen von CDU und Grünen angenommen, gegen die Stimmen von SPD/Volt, FDP und Die Linke (bei Enthaltung von AfD und Freie Wähler/Tierschutz/PARTEI).

 

Marion Warden (Vorstandsvorsitzende der AWO Düsseldorf) sagte in einer ersten Stellungnahme: „Aus Sicht der Träger entnehme ich jetzt praktisch, dass dieses Projekt am 31. März zu unserem großen Bedauern enden wird.“ Damit endeten Jahre der Erfolgsgeschichte, so Warden. „Ich glaube, das ist für die Community extrem bedauerlich, für die Menschen, die davon profitiert haben“. Und weiter: „Bundesweit hatten wir mit diesem Projekt sehr viel Aufmerksamkeit, es gab in dieser Weise bundesweit kein vergleichbares Projekt.“ Sie dankte dennoch der Verwaltung und der Politik für die Ermöglichung des Projektes in den zurückliegenden Jahren.

 

Negative Entscheidung trotz Aktionsplan

Erst im vergangenen Jahr hatte sich die Landeshauptstadt einen Aktionsplan LSBTIQ+ gegeben. Darin steht als priorisierte Maßnahme Nummer 1: „Die Landeshauptstadt Düsseldorf sichert LSBTIQ+ Fachstellen durch Aufnahme in einen Rahmenvertrag“. Im Speziellen wurde dies für die Fachstellen „Queer im Alter“ und die Trans*beratung Düsseldorf in Aussicht gestellt. Offenbar ist der vor der Kommunalwahl veröffentlichte Aktionsplan schon jetzt Makulatur.

 

Denn auch für ein weiteres wichtiges Community-Projekt wurde im Ausschuss für Soziales und Gesundheit die beantragte Förderung gekürzt. Die Aidshilfe Düsseldorf hatte für ihre Trans*beratung für das Jahr 2026 Fördermittel in Höhe von 93.615 Euro (sowie für die Folgejahre bis 2029 in ähnlicher Höhe) beantragt. Die Koalition aus CDU und Grünen konnte sich jedoch nur zu einem Zuschuss in Höhe von 50.000 Euro für das Jahr 2026 durchringen.

 

Ratsherr Stieber (CDU) sagte dazu: „Wir lehnen den Antrag in der vorgelegten Höhe ab. Die Koalition hat mich beauftragt, Ihnen einen Antrag auf einen Zuschuss in Höhe von 50.000 Euro für das Jahr 2026 vorzulegen.“ Iris Bellstedt (Geschäftsführerin des Paritätischen Düsseldorf) ergriff daraufhin das Wort für die Träger der freien Wohlfahrtspflege und warb dafür, die Förderung in der beantragten Höhe zu beschließen. „Auch aufgrund der Tatsache, dass der Beratungsbedarf nach wie vor hoch ist, wollte ich sie ausdrücklich bitten, die Entscheidung der Reduzierung zu überdenken und die Beratungsstelle in voller Höhe weiter zu bewilligen.“

 

Bei der Abstimmung stimmten für den Förderantrag der Aidshilfe jedoch nur die Fraktionen SPD/Volt, FDP, Die Linke und Freie Wähler/Tierschutz/PARTEI. CDU und Grüne lehnten den Antrag ab. Der Änderungsantrag der Koalition wurde mit den Stimmen von CDU, Grüne, SPD/Volt und FDP beschlossen, gegen die Stimmen der AfD und bei Enthaltung von Die Linke und Freie Wähler/Tierschutz/PARTEI.

 

Text: Oliver Erdmann