Am Abend des 2. November 1995 wurde Siegfried Strukmeier im Hofgarten brutal angegriffen und ermordet – weil er schwul war. 30 Jahre danach haben die Landeshauptstadt und die queere Community an das Opfer und die Tat erinnert.

Mehr als 100 Menschen waren zu der Gedenkveranstaltung am 2. November 2025, zu der die Landeshauptstadt und das LSBTIQ+ Forum Düsseldorf eingeladen hatten, an den neuen Gedenkort im Düsseldorfer Hofgarten gekommen. Zur Erinnerung an Siegfried Strukmeier, der im Jahr 1995 zufälliges Opfer einer schwulenfeindlichen Tat wurde, ist in der Nähe des damaligen Tatorts – unterhalb des Napoleonsbergs zwischen Hofgartenrampe und Inselstraße – vor Kurzem ein Baum gepflanzt worden. Hier soll in den nächsten Wochen auch noch eine Gedenkplatte in die Rasenfläche eingelassen werden, mit dem Namen und den Lebensdaten des Opfers sowie einem QR-Code, um weitere Informationen aufrufen zu können.

In Vertretung des Oberbürgermeisters Dr. Stephan Keller hielt Elisabeth Wilfart, Leiterin des Amtes für Gleichstellung und Antidiskriminierung, die Gedenkrede. Sie erinnerte an den Menschen Siegfried Strukmeier und blickte zurück auf die Tat und auf das, was folgte: In der Stadt wurden Projekte ins Leben gerufen, um einem Gewaltverbrechen wie diesem zukünftig vorzubeugen. So wurden eine Fachgruppe LSBTIQ+ beim Kriminalpräventiven Rat gegründet, das Schwule Überfall-Telefon installiert und eine Notrufsäule im Hofgarten errichtet, die allerdings heute nicht mehr existiert. An dem Gedenken nahmen auch die Leiterin des Gartenamtes, Doris Törkel, und Gartendenkmalpflegerin Antje Schmidt-Wiegand teil, die die Forumsinitiative für einen Erinnerungsort unterstützt haben.

Der zweite Teil der Gedenkveranstaltung fand anschließend im Theatermuseum Hofgartenhaus Düsseldorf statt. Hier hielt zunächst Martin Bühren für das LSBTIQ+ Forum Düsseldorf eine Rede, mit der er sich bei allen Beteiligten bedankte. Er selbst habe schon einmal die Hilfe des Schwulen Überfall-Telefons in Anspruch nehmen müssen und sei froh, dass aus dem furchtbaren Mord hilfreiche Initiativen für die queere Community entstanden seien. Dies war auch Tenor des anschließenden Podiumsgesprächs, das Dr. Sascha Förster, Leiter des Theatermuseums, mit den Angehörigen von Siegfried Strukmeier führen konnte. Schwägerin Michaela, Bruder Dieter und Neffe Max Strukmeier berichteten sehr persönlich, wie sie damals von der Tat erfahren hatten und was Siegfried Strukmeier für ein Mensch gewesen war. Marco Grober, der bei der Aidshilfe Düsseldorf das Schwule Überfalltelefon und andere Communityprojekte betreut, konnte über die Gefahren sprechen, denen queere Menschen damals, aber auch noch heute ausgesetzt sind.

Im Theatermuseum war an diesem Tag eine kleine Ausstellung mit Kunstwerken von Siegfried Strukmeier – Skulpturen und Plastiken, aber auch Möbel – zu sehen. Gezeigt wurde darüber hinaus die Videoinstallation „Etwas zerreißt“, mit der Bernd Plöger den Weg des Opfers und der Täter in der Mordnacht nachzeichnet. Mit den Redebeiträgen, den persönlichen Einblicken in das Leben Siegfried Strukmeiers und der erlebbaren Kunst war die Veranstaltung ein gelungenes und bewegendes Gedenken.

Text: Oliver Erdmann
