Das Team der Lesben- und Schwulen-Bibliothek Düsseldorf stellt hier regelmäßig lesenswerte Bücher vor. Diesmal: „In ihrem Haus“ von Yael van der Wouden und „Homebody“ von Theo Parish. Viel Freude beim Lesen!

In ihrem Haus
Yael van der Wouden
Gutkind | ISBN 978-3-9841-054-1
„Denn mein Haus soll für alle Völker ein Ort des Gebets sein.“
Jesaja, 56,7
Die Niederlande, 1961. Die fast dreißigjährige Isabel lebt nach dem frühen Tod ihrer Mutter alleine in dem großen Haus auf dem Land, das eigentlich ihrem Onkel Karel gehört. 1944 hatte der Onkel das Haus im Osten der Niederlande für die Familie „gefunden“, während im Westen des Landes eine Hungersnot grassierte. Sich um dieses Haus zu kümmern scheint Isabels ganzer Lebensinhalt zu sein, nahezu nahtlos ist sie in die Rolle ihrer Mutter geschlüpft. Soziale Kontakte pflegt sie so gut wie nicht. Sie ist mehr als verärgert, als ihr älterer Bruder Louis seine neue Freundin Eva bei Isabel einquartieren möchte, weil er aus geschäftlichen Gründen für vier Wochen ins Ausland reisen muss. Die lebhafte Eva, von der sich die Protagonistin gleichermaßen abgestoßen wie zunehmend angezogen fühlt, bekundet sogleich, dass sie Isabels Lebensstil sterbenslangweilig findet. „Ich glaube, sie tut dir gut,“ konstatiert ihr jüngerer schwuler Bruder Hendrik, als er bei einem Besuch bemerkt, dass Isabel sich durch die Anwesenheit der anderen Frau verändert hat. Immer häufiger fällt Isabel nun auf, dass Dinge aus dem Haushalt verschwinden, und sie verdächtigt zunächst das Dienstmädchen des Diebstahls …
Dieses Detail und die subtile Spannung, die den gesamten Roman durchzieht, sorgen dafür, dass man als Leser:in von Anfang an gebannt auf die Geschichte hinter der Geschichte neugierig ist und der Auflösung entgegenfiebert.
Schuld, Verdrängung, Rache und Verrat sind u. a. die Themen, die der Roman der niederländisch-israelischen Autorin Yael van der Wouden berührt. Die Charaktere sind stimmig gezeichnet und der Roman ist so meisterlich erzählt, dass ich ihn nicht für einen Debütroman gehalten hätte. Obwohl das Buch sicher nicht als handlungsreich zu bezeichnen ist, möchte man es nicht so leicht aus der Hand legen.
Ein großartig erzählter Roman mit Tiefgang.
Vorgestellt von Andrea Schroeder

Homebody
Theo Parish
Loewe | ISBN 978-3-7432-1802-4
Irgendwo in Großbritannien wächst Theo, damals noch unter einem anderen Namen bekannt, in einer liberalen Familie auf. Theo darf alles ausprobieren und erproben. Desto größer ist der Schock, als Theo in der Welt außerhalb der Familie nach dem in der Geburtsurkunde angegebenen Geschlecht behandelt wird. Zum Beispiel soll Theos Schuluniform aus Röcken und nicht aus Hosen bestehen. Natürlich weigert sich Theo, zuerst zumindest. Später versucht Theo sich anzupassen, macht jedoch die Erfahrung damit nicht glücklich zu sein. Auf dem College wechselt Theos Umfeld von engstirnig zu weltoffen. Theo beginnt mit dem eigenen Namen und Pronomen zu experimentieren, um so für sich den perfekten Weg zu finden.
Die Graphic Novel begleitet Theo auf dem Weg bis zur Gegenwart. Wir erfahren, wie es sich anfühlt nicht-binär und trans* zu sein. Mit dem Begriff Homebody vergleicht Theo den eigenen Körper mit einem Haus, in das man einzieht gegenüber dem Haus, in das man geboren wurde. Die Zeichnungen erinnern an die Heartstopper-Comics, sind meiner Meinung nach aber etwas ausgereifter gezeichnet, in s/w, sowie in sanften Rottönen.
Vorgestellt von Markus Gickeleiter
Die Bücher können bei der LUSBD Lesben- und Schwulen-Bibliothek Düsseldorf kostenlos ausgeliehen werden.
Lesben- und Schwulenbibliothek Düsseldorf
im Bürgerhaus Angermund
Graf-Engelbert-Str. 9
40489 Düsseldorf
Geöffnet jeden Sonntag von 15.00 bis 16.30 Uhr
Anmeldung erforderlich
DQ – Düsseldorf Queer dankt dem Team der LUSBD für die nette Zusammenarbeit.
