Ministerpräsident Hendrik Wüst hat gestern den NRW-Verdienstorden an 15 Personen verliehen, die sich für die Belange von queeren Menschen eingesetzt haben. Unter den Geehrten sind die Düsseldorfer Peter Hölscher und Reinhard Schmidt.

Am 2. Juni 2026 hat Ministerpräsident Hendrik Wüst den Verdienstorden des Landes Nordrhein-Westfalen an 15 Menschen verliehen, die sich in besonderer Weise für ein offenes, vielfältiges und respektvolles Miteinander in Nordrhein-Westfalen einsetzen und damit auch die Gleichberechtigung queerer Menschen stärken. Mit dem Verdienstorden ehrt die Landesregierung traditionell den herausragenden Einsatz für das Gemeinwohl und das Land Nordrhein-Westfalen. Die Veranstaltung fand in der Staatskanzlei in Düsseldorf statt.

Volker Beck gehört zu den maßgeblichen Wegbereitern des Lebenspartnerschaftsgesetzes für gleichgeschlechtliche Paare. Mit seinem langjährigen politischen und gesellschaftlichen Engagement setzt er wichtige Impulse für die rechtliche Gleichstellung und gesellschaftliche Anerkennung queerer Menschen. Zudem engagiert er sich im LSVD+-Verband Queere Vielfalt, in der Hirschfeld-Eddy-Stiftung, der Bundesstiftung Magnus Hirschfeld sowie im Tikvah Institut.
Zu den Geehrten gehörten Prominente wie Volker Beck (Grünen-Politiker und „Vater der Ehe für alle“), Ralph Morgenstern (Moderator und Schauspieler), Ricarda Hofmann (Autorin und Podcasterin), Carolina Brauckmann (Liedermacherin und Aktivistin), Georg Uecker (Schauspieler aus „Lindenstraße“) und Claus Vinçon (Schauspieler und Aktivist) sowie Hans W. Geißendörfer (Schöpfer der „Lindenstraße“).
Des Weiteren wurden Peter Hölscher (Projekt LSBTIQ*inklusiv), Heike Kivelitz (Leslie e.V. und Queers an der Niers e.V.,), Reinhard Klenke (Mitbegründer des Schwulen Netzwerks NRW), Jochen Saurenbach (Aktivist, Organisator und Publizist), Reinhard Schmidt (Bildungs- und Antidiskriminierungsprojekt SCHLAU NRW), Steffen Schwab (Queeres Netzwerk NRW und ARCUS-Stiftung), Erik Tenberken (Mitgründer der Deutschen Arbeitsgemeinschaft HIV- und Hepatitis-kompetenter Apotheken e.V.) und Marcus Velke-Schmidt (Centrum Schwule Geschichte e.V.) ausgezeichnet.
Ministerpräsident Hendrik Wüst sagte: „Die 15 neuen Trägerinnen und Träger des Verdienstordens des Landes Nordrhein-Westfalen setzen sich auf ganz unterschiedliche Weise für ein respektvolles, offenes und diskriminierungsfreies Miteinander in Nordrhein-Westfalen ein. Sie schaffen Sichtbarkeit und Teilhabe und stoßen so gesellschaftliche Debatten an. Damit tragen sie dazu bei, dass unterschiedlichste Lebensrealitäten selbstverständlich ihren Platz in unserer Gesellschaft haben. Mit klarer Haltung und großem persönlichem Einsatz stärken sie den Zusammenhalt und zeigen, wie wichtig Respekt, Gleichberechtigung und gegenseitige Anerkennung für unser Zusammenleben sind. Sie sind Vorbilder, denen unser tief empfundener Dank und unsere höchste Anerkennung gilt.“

Peter Hölscher engagiert sich seit rund einem Jahrzehnt für die Akzeptanz queerer Menschen in Nordrhein-Westfalen, besonders für die Gleichstellung queerer Menschen mit Behinderung. Er prägt das Projekt LSBTIQ*inklusiv, war Mitinitiator des Queeren Zentrums Düsseldorf e.V. und ist Delegierter des Inklusionsbeirats des Landes Nordrhein-Westfalen.
Laudatio:
Seit fast zehn Jahren setzt sich Peter Hölscher dafür ein, dass queere Menschen in unserer Gesellschaft dazugehören – und zwar alle. Er kämpft für die Gleichstellung von queeren Menschen mit Beeinträchtigung.
Seit 2017 ist Peter Hölscher im Vorstand von „queerhandicap e.V.“. Der Verein gibt queeren Menschen mit Beeinträchtigung oder chronischer Erkrankung eine Stimme. Der Verein sorgt für ganz konkrete Unterstützung, für Aufklärung und für echte Teilhabe im Alltag. Und Peter Hölscher entwickelt Projekte und baut die Arbeit des Vereins immer weiter aus. So entstehen Workshops zu „Sexualität und Behinderung“.
Sein Ziel ist, dass das wichtige Thema „Barrierefreiheit“ ganzheitlich gedacht wird. Auch über den Verein hinaus wirkt Peter Hölscher. Im Vorstand des queeren Netzwerks Nordrhein-Westfalen hat er sich bis letzten November eingebracht. Ein anderes Beispiel für seine Arbeit ist der „Runde Tisch LSBTIQ*inklusiv“, bei dem Verbände und Politik gemeinsam diskutieren, was man bewegen kann.
2021 hat Peter Hölscher außerdem ein queeres Zentrum auf den Weg gebracht und in den ersten Jahren aktiv im Vorstand begleitet. Peter Hölschers engagiert sich auf vielen Ebenen in Deutschland. In Düsseldorf bringt er sich im Forum LSBTIQ* ein und als sachkundiger Bürger im Gleichstellungsausschuss. Auf Bundesebene wirkt er am „Aktionsplan Queer leben!“ mit. Ebenso im Verein RAR e.V. – „Richtig am Rand“.
Es freut mich sehr, dass er seit Oktober 2025 auch als Delegierter des Inklusionsbeitrat des Landes engagiert ist. Für Ihr außergewöhnliches Engagement verleihe ich Ihnen heute den Verdienstorden des Landes Nordrhein-Westfalen.

Reinhard Schmidt engagiert sich seit den 1970er Jahren in der queeren Community – von der Homosexuellen Aktionsgruppe Bochum über die „Aidshilfe Düsseldorf e.V.“ bis hin zum Förderkreis „Heartbreaker“ und dem Bildungs- und Antidiskriminierungsprojekt SCHLAU NRW. Als Herausgeber veröffentlicht er verschiedene Publikationen zu queeren Themen.
Laudatio:
Reinhard Schmidts Engagement hat in den 1970er Jahren begonnen. Damals hat sich Reinhard Schmidt in der Homosexuellen Aktionsgruppe Bochum engagiert – einer der ersten Gruppen in Deutschland, die offen für die Rechte homosexueller Menschen gekämpft haben. Diese Gruppe hat viel bewegt: Sie hat Diskussionen angestoßen. Und vor allem hat sie anderen Mut gemacht: Mut, offen zu leben. Mut, für die eigenen Rechte einzustehen. Und Mut, man selbst zu sein.
Anfang der 90er Jahre hat dann ein weiteres Kapitel begonnen: Das Engagement von
Reinhard Schmidt bei der Aidshilfe Düsseldorf e.V. Zunächst in der Telefonberatung, im direkten Kontakt, im persönlichen Gespräch. Gerade in einer Zeit, in der viele Betroffene Angst, Unsicherheit und Ausgrenzung erlebt haben, war das enorm wichtig.
Später hat Reinhard Schmidt einen weiteren Schwerpunkt gesetzt: bei Bildung und Aufklärung. Von 2009 bis 2014 hat er als Projektkoordinator bei SCHLAU NRW mit jungen Menschen gearbeitet – in Schulen, in Workshops und im direkten Austausch. Dabei ging es nicht nur um Information. Es ging ihm um Respekt, um Offenheit und um die Frage, wie wir gut miteinander leben.
Besonders am Herzen liegt ihm auch die vorurteilsfreie Aufklärung und Beratung. Im Checkpoint Düsseldorf der Aidshilfe unterstützt Reinhard Schmidt ein niedrigschwelliges Testangebot für schwule und bisexuelle Männer. Anonym, ohne große Hürden, einfach erreichbar.
Veränderung beginnt dort, wo sie jemand anstößt. Genau das haben Sie getan.
Der Verdienstorden des Landes ist eine der höchsten Auszeichnungen und wurde 1986 aus Anlass des 40. Geburtstags des Landes Nordrhein-Westfalen gestiftet. Als Anerkennung ihrer außerordentlichen Verdienste für die Allgemeinheit wird er an besonders engagierte Persönlichkeiten verliehen.
Quelle: Staatskanzlei Nordrhein-Westfalen | Bearbeitung: Oliver Erdmann
