Sprachnachricht aus dem Krieg

Für seine neue Produktion ist ein Team des Theaterensembles Düsseldrama im Juli in die Ukraine gereist und hat Interviews mit jungen queeren Ukrainer*innen geführt. Jetzt soll im Rahmen eines Intensiv-Theaterworkshops eine dokumentarische Audio-Performance enstehen.

Zwei Personen posieren vor einem Steinhaufen: Eine Frau mit blonder Perücke trägt ein rotes Kleid und Handschuhe, während ein Mann in weißem Tanktop und Tarnhose daneben sitzt. Im Hintergrund sind Strommasten und ein bewölkter Himmel zu sehen.
Foto: Lukas Marvin Thum

Eine Sprachnachricht ist nah, auch wenn jemand weit weg ist. Sie trägt Atem, Pausen, Müdigkeit, Humor, Angst und Zärtlichkeit in sich. Manchmal ist sie nur ein kurzes Lebenszeichen. Manchmal ein Versuch, Verbindung zu halten. Manchmal enthält sie genau das, was anderswo nicht gesagt werden kann.

 

Seit 2014 prägt Russlands Krieg gegen die Ukraine die Gegenwart vieler Menschen in und aus der Ukraine, seit der Vollinvasion 2022 mit neuer Härte. Auch junges queeres Leben findet unter Bedingungen statt, die von Luftalarm, Unsicherheit, Verlust und Flucht geprägt sind. Zugleich gehören Freundschaft, Liebe, Community, Wut, Hoffnung und Selbstbehauptung dazu. Manche sind geblieben, andere sind aus der Ukraine geflohen. Auch an einem neuen Ort bleibt die Ukraine Teil ihres Alltags: in Nachrichten, Erinnerungen, Gesprächen und in der Frage, wie ein Leben weitergehen kann.

 

Über queeres Leben in der Ukraine während des Krieges ist in Deutschland bisher wenig zu hören. Oft geht es um geopolitische Lageberichte, militärische Entwicklungen oder humanitäre Hilfe. Seltener geht es um persönliche Erfahrungen, um Körper, Beziehungen, Sprache, Begehren und die Frage, wie queerer Alltag unter diesen Bedingungen weitergeht. Viele Geschichten werden nur vorsichtig erzählt, bleiben fragmentarisch oder ganz unausgesprochen.

 

Für „Sprachnachricht aus dem Krieg“ reiste das Team von Düsseldrama im Juli in die Ukraine und führte Interviews mit jungen queeren Ukrainer*innen vor Ort. Zurück in Düsseldorf treffen diese Stimmen nun auf junge queere Ukrainer*innen, die hier leben. In einem Intensiv-Theaterworkshop setzen sie sich gemeinsam mit Regisseur Marvin Wittiber und seinem Team mit dem dokumentarischen Material auseinander und bringen ihre eigenen Erfahrungen von Ankommen, Erinnerung, Alltag und Queersein in Deutschland ein. Aus diesem Dialog entsteht eine dokumentarische Audio-Performance über Alltag und Selbstbehauptung. Was erzählt eine Stimme aus der Ferne? Welche Geräusche gehören zu einem Alltag, der trotz Krieg weitergeht? Und was entsteht, wenn aus Zuhören eine Antwort wird?

 

Eine dokumentarische Audio-Performance mit jungen queeren Ukrainer*innen über Alltag und Selbstbehauptung

 

Künstlerische Leitung: Marvin Wittiber

Text: Malin Kraus & Ensemble

Ausstattung: Alina Gorr

Sounddesign: Milan Julius Philipp

 

Produktion: Düsseldrama

Kooperation: de.Perspektive e.V., Jugendring Düsseldorf

Zusammenarbeit: Jugend.Perspektive, Theatermuseum Düsseldorf, Queere Geschichte(n) Düsseldorf e.V.

Unterstützung: KyivPride, Queeres Netzwerk NRW, Amt für Gleichstellung und Antidiskriminierung Düsseldorf

Förderung: Demokratie leben! Düsseldorf im Rahmen des Düsseldorfer Demokratie Fonds

 

26.09.2026 | 19:30 Uhr

27.09.2026 | 18:00 Uhr

 

Informationen zum Rahmenprogramm folgen.

 

Haus der Jugend Düsseldorf, Lacombletstraße 10, 40239 Düsseldorf

 

Eintritt gegen Spende

Reservierungen: https://jugendring-duesseldorf.de/termin/dokumentarische-audio-performance-sprachnachricht-aus-dem-krieg/

 

Text: Düsseldrama