Queere Kultur fördern

Die Talkreihe „Queere Geschichte(n)“ im KAP1 ist am 12. November erfolgreich fortgesetzt worden. Es ging diesmal um „Queere Kultur – gestern und heute“. Die Gäste von Moderator Sascha Förster konnten aus ganz unterschiedlichen Perspektiven auf das Thema blicken.

Podiumsdiskussion zu queeren Geschichten: Fünf Personen diskutieren vor Publikum, im Hintergrund ein Banner mit ‚Queere Geschichte(n) – DIE TALKREIHE‘ und ein Logo von ‚Düsseldorf Queer‘.
Das Podiumsgespräch zum Thema "Queere Kultur - gestern und heute" mit Moderator Dr. Sascha Förster (links) im Stadtfenster im KAP1 fand großen Zuspruch beim Publikum. // Foto: Oliver Erdmann

Das achte Podiumsgespräch in der Reihe „Queere Geschichte(n)“ im KAP1 stieß auf großes Interesse beim Publikum. Am 12. November 2025 war der Stadtfenster-Saal der Zentralbibliothek mit fast 60 Interessierten proppenvoll. Eingeladen hatte der Verein „Queere Geschichte(n) Düsseldorf e.V.“, der die Talkreihe in Kooperation mit dem Amt für Gleichstellung und Antidiskriminierung, der Zentralbibliothek und dem Theatermuseum Düsseldorf veranstaltet. Die Moderation hatte wie immer Dr. Sascha Förster (Institutsleiter TMD) übernommen.

Nach der Begrüßung durch Oliver Erdmann, Vorsitzender von Queere Geschichte(n) Düsseldorf e.V., gab es zunächst ein kleines, überraschendes Zwischenspiel der Düsseldorfer Kleinkunstgruppe Kulturetten. Seit über drei Jahrzehnten führt das Ensemble bereits den Culture Club auf, eine trashige Kult-Show in der Jazz-Schmiede mit Gästen aus den Bereichen Musik, Kabarett und Comedy sowie Talks zu queeren Themen. Dass die Kulturetten bei einer Veranstaltung zu Queerer Kultur nicht fehlen durften, war dem Veranstalter ein Anliegen.

 

Eine Gruppe von Menschen sitzt in einem Raum und verfolgt aufmerksam eine Darbietung zwischen zwei stehenden Männern. Im Hintergrund steht eine große Pflanze.
Mark Seebürger (links) und Bernd Plöger von den Düsseldorfer Kulturetten gaben zu Beginn der Veranstaltung eine Kostprobe aus ihrem Kleinkunstprogramm. // Foto: Oliver Erdmann

Sascha Förster konnte sich danach ganz seinen Talkgästen widmen. Auf dem Podium hatten Platz genommen: Dr. Isabelle Malz (Kuratorin der K20-Ausstellung „Queere Moderne“), Lukas Moll (Bildender Künstler aus Köln), Mari Uhlig (kom!ma Düsseldorf/Initiatorin der Lesbenfilmreihe) und Lasse Scheiba (Schauspielhaus Düsseldorf/Drag Artist Effi Biest).

 

Drei Personen sitzen auf einer Bühne und diskutieren bei einer Veranstaltung; im Hintergrund steht ein Banner mit dem Text 'Das Onlineportal für die Regenbogen-Community in der Landeshauptstadt' und ein QR-Code.
Dr. Isabelle Malz (Mitte) sprach über die aktuelle K20-Ausstellung "Queere Moderne. 1900 bis 1950". // Foto: Oliver Erdmann

Dr. Isabelle Malz ist seit 2007 Kuratorin der Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen in Düsseldorf. Ihre aktuelle Ausstellung im Museum K20 am Grabbeplatz wurde erst vor wenigen Wochen eröffnet. Die Schau „Queere Moderne. 1900 bis 1950“, die sie gemeinsam mit der Kunsthistorikerin Anke Kempkes kuratiert hat, zeigt noch bis zum 15. Februar 2026 Kunstwerke queerer Künstler*innen und veranschaulicht, wie wichtig zu Beginn des Zwanzigsten Jahrhunderts queere Netzwerke bereits waren. „Queere Moderne“ ist die erste umfassende Ausstellung in Europa, die den bahnbrechenden Beitrag queerer Künstler*innen zur Moderne vorstellt. Isabelle Malz berichtete aber nicht nur über das, was in der Ausstellung zu sehen ist und den Besucher*innen vermittelt werden soll, sondern gab auch Einblicke in die Entstehung eines solch großen Projekts. So sei es ungewöhnlich schwer gewesen, Sponsoren für eine queere Kunstausstellung zu finden. Beim Museumspublikum komme die Schau aber gut an, berichtete Isabelle Malz, bei der Eröffnung seien mehr Menschen dagewesen als bei der großen Chagall-Ausstellung vor einigen Monaten.

 

Drei Personen sitzen auf einer Bühne bei einer Podiumsdiskussion; der Mann links hält ein Mikrofon, im Hintergrund steht ein Banner mit dem Text 'Das Onlineportal für die Regenbogen-Community in der Landeshauptstadt'.
Sebastian Bartel von der Kunstsammlung NRW berichtet über den Queeren Beirat, der die Entstehung der Ausstellung "Queere Moderne" begleitet hat. // Foto: Oliver Erdmann

Sebastian Bartel, wissenschaftlicher Mitarbeiter in der Abteilung Bildung, berichtete über die wichtige Zusammenarbeit mit einem queeren Beirat, der für die K20-Ausstellung „Queere Moderne“ ins Leben gerufen wurde. Der Austausch mit Menschen aus der queeren Community sei wichtig gewesen für die Konzeption der Ausstellung. Zentrale Fragen seien gestellt und weiterführende Hinweise gegeben worden. Zudem hat der queere Beirat den Aktionsraum innerhalb der Ausstellung mitgestaltet und Ideen für das Rahmenprogramm geliefert. Beim Open House an jedem ersten Mittwoch im Monat findet eine Dialogführung mit Sebastian Bartel und einem Mitglied des queeren Beirats statt. Der Eintritt ist an diesem Abend für die Besucher*innen frei.

 

Drei Personen sitzen auf grünen Sesseln bei einer Podiumsdiskussion.
Lukas Moll (rechts) erzählt von seinen Erfahrungen als queerer Künstler. // Foto: Oliver Erdmann

Lukas Moll ist Künstler und lebt in Köln. Sein Fokus liegt auf der Darstellung queerer Themen und der Erforschung von Identität. Seine Werke sind bewusst anders, als manche sie vielleicht von einem schwulen Künstler erwarten würden. Explizite Darstellungen sind in seinen Bildern nicht zu finden. Lukas Moll bezeichnet sich selbst als „queerer Künstler“, dies sei eine bewusste Entscheidung für eine integrative und umfassendere Identität, die über seine eigene sexuelle Identität hinausgehe. Seine Kunst sei von einem breiten Spektrum der LSBTIQ*-Realitäten beeinflusst, sagt er. Und weil auch auf dem Kunstmarkt queere Räume oftmals fehlen, hat Lukas den Queer Art Hub gegründet, eine Online-Plattform auf der sich queere Künstler*innen mit ihren Werken präsentieren und sich vernetzen können. Auch mit seinem Podcast, zu dem er regelmäßig queere Kunstschaffende einlädt, will Lukas Moll mehr Aufmerksamkeit für queere Kunst und die Menschen dahinter schaffen. Er selbst kann sich mittlerweile über Zuspruch nicht beklagen. Seine Bilder sind zurzeit Teil der Ausstellung „Intimität – Queere Kunst der Gegenwart“ im Kunstmuseum Albstadt. Und erst kürzlich wurde Lukas Moll mit dem Kunstpreis des Künstlerforums Schloss Zweibrüggen ausgezeichnet.

 

Drei Personen bei einer Podiumsdiskussion, die rechte Person hält ein Mikrofon, im Hintergrund ein regenbogenfarbenes Banner.
Mari Uhlig (rechts) hat die Lesben-Filmreihe vom Verein kom!ma im Bambi-Kino initiiert. // Foto: Oliver Erdmann

Mari Uhlig engagiert sich seit vielen Jahren im Düsseldorfer Verein „kom!ma – Verein für Frauenkommunikation e.V.“. Gut zwanzig Jahre lang war sie dort Geschäftsführerin und prägte ganz entscheidend das Kulturprogramm des Vereins. Von Beginn an setzte sie lesbische Akzente. Heute sei „kom!ma“ ein queerfeministischer Verein, sagt Mari. Im kom!ma-Kulturprogramm gibt es Lesungen mit lesbischen Autorinnen oder queere Theaterworkshops – und es werden Filme gezeigt. Kinofilme mit queerer Thematik hätten sie schon immer interessiert, berichtet Mari Uhlig. Als sie in Düsseldorf anfing, initiierte sie die Lesben-Filmreihe, die noch heute läuft. Einmal im Monat zeigt das Bambi-Kino einen von Mari Uhlig ausgewählten Film. Es sei wichtig, dass es solche Angebote gebe, auch wenn mal nur wenige Besucher*innen kommen würden, sagt sie, dank der Förderung durch kom!ma sei dies möglich. Zukünftig will sich Mari Uhlig auch dafür einsetzen, lesbische und queere Filme zu retten. Die Gefahr besteht, glaubt sie, denn schon heute seien manche Filme bei keinem Verleih mehr auffindbar.

 

Vier Personen sitzen auf einer Bühne in bequemen Sesseln und diskutieren bei einer Veranstaltung; eine Person spricht gerade in ein Mikrofon.
Lasse Scheiba (rechts) macht sich für die Förderung der queeren Kultur in Düsseldorf stark. Er organisiert u.a. ein Queer Art Festival am Schauspielhaus. // Foto: Oliver Erdmann

Lasse Scheiba arbeitet als Dramaturg am Düsseldorfer Schauspielhaus und ist stellvertretender Leiter beim Stadt:Kollektiv, der partizipativen Sparte am D’haus. Als Produktionsleiter verantwortet er diverse Thaeterproduktionen und leitet Workshops mit Laienschauspielenden. Doch er steht regelmäßig auch selbst auf der Bühne – als Effi Biest. Lasse Scheiba kam 2021 ans D’haus und ihm, war direkt klar, dass er hier in Düsseldorf queere Akzente am Schauspielhaus setzen wollte. Schon als Kind hat ihn die Kunst der Travestie interessiert, und später beschäftigte er sich intensiv mit der Drag Culture, die eine so wichtige Rolle in der queeren Emanzipationsbewegung gespielt hat. Vor ein paar Jahren stand Lasse erstmals selbst als Drag Queen auf der Bühne – Effi Biest war geboren. In Düsseldorf bekam Effi dann ihre eigene Show „Drag & Biest“, die von Beginn an erfolgreich war und Drag Artists aus ganz NRW und darüber hinaus die Möglichkeit bietet, vor großem Publikum aufzutreten. Die Förderung queerer Kultur ist Lasse Scheiba ein großes Anliegen. Mit dem Queer Art Festival, das im Mai dieses Jahres zum ersten Mal im D’haus am Gustaf-Gründgens-Platz stattgefunden hat, will er allen möglichen Kunstformen eine Bühne bieten. Das mehrtägige Festival mit Inszenierungen, Drag- und Ballroom-Veranstaltungen, Workshops, Partys und Paneltalks soll im kommenden Jahr wiederkehren und die Vielfalt queeren Lebens und queere Kunst widerspiegeln.

 

Gruppe von Menschen sitzt in einem hellen Seminarraum und nimmt an einer Veranstaltung oder Diskussion teil. Im Hintergrund sind ein Podium, Pflanzen und Banner mit Logos zu sehen.
Viel Zuspruch beim Publikum fand die Talkrunde im Stadtfenster-Saal der Zentralbibliothek. // Foto: Oliver Erdmann

Bei diesem Gespräch über „Queere Kultur“ wurde deutlich, dass den großen Institutionen und Häuser, wie öffentlich geförderten Kunstmuseen und Theatern, eine wichtige Rolle bei der Unterstützung queerer Künstler*innen und Etablierung queerer Kunst zukommt. In Düsseldorf, wo zurzeit viel auf diesem Gebiet passiert, sei dies deutlich erkennbar. Vieles läge aber an einzelnen Personen, die sich für die queere Szene stark machen, so die einhellige Meinung. Man müsse dahin kommen, dass Angebote verstetigt werden und der queere Blick zur DNA der Kulturinstitutionen gehören müsse, damit Erreichtes nicht durch politische Entscheidungen rückgängig gemacht werden kann.

Mit großem Applaus bedankten sich die Zuhörenden bei den Podiumsgästen und beim Moderator.

 

Beim nächsten queeren Talk im KAP1 am 18. Februar 2026 geht es um „Queerness und Religion – gestern und heute“.

 

Text: Oliver Erdmann