Black Box Kino zeigt Stummfilmklassiker

Anlässlich der Abschaffung des Paragraphen 175 vor 25 Jahren zeigt das Filmmuseum im Black Box Kino am 25. Oktober zwei Filme, die sich als erste offen mit dem Thema Homosexualität auseinandersetzten.

Bild: Filmvorspann Anders als die Andern
Von Richard Oswald-Film GmbH - Vorspann des Films, Logo, https://de.wikipedia.org/w/index.php?curid=6810810

Vor 25 Jahren wurde der Paragraph 175 abgeschafft, der sexuelle Handlungen zwischen Personen männlichen Geschlechts unter Strafe stellte. Anlässlich des Jubiläums zeigt das Filmmuseum (Schulstraße 4) in Kooperation mit stummfilm-magazin.de am Samstag, 25. Oktober, ab 20.00 Uhr zwei Filme, die sich als erste offen mit dem Thema auseinandersetzten.


In dem Film „ANDERS ALS DIE ANDERN“ (Regie: Richard Oswald, Deutschland 1919) wird der erfolgreiche Musiker Paul Körner von dem Stricher Franz Bollek erpresst. Als er sich weigert, weiterhin an den Erpresser zu zahlen, zeigt Bollek ihn wegen Verstoßes gegen den (erst im Juni 1994 abgeschafften) Paragraphen 175 an, der sexuelle Handlungen zwischen Personen männlichen Geschlechts unter Strafe stellte. In dem folgenden Gerichtsverfahren hält der bekannte Sexualwissenschaftler Dr. Magnus Hirschfeld (der sich hier selbst spielt) eine flammende Rede für Toleranz gegenüber Homosexuellen. Bollek wird wegen Erpressung verurteilt, Paul Körner allerdings ebenfalls: Wegen Vergehens gegen den Paragraphen 175. Sein Ruf ist ruiniert. Er zerbricht an der gesellschaftlichen Schande und begeht Suizid.


Der Film ist einer der ersten, die das Thema Homosexualität offen behandeln. Gleich nach seinem Erscheinen entwickelte er sich zu einem Skandalfilm und entfachte neben anderen „sozialhygienischen Filmwerken“ eine heftige Kulturdebatte. Nach Wiedereinführung der Filmzensur 1920 wurde der Film im selben Jahr verboten und die Kopien vernichtet. Magnus Hirschfeld drehte 1927 den Dokumentarfilm „GESETZ DER LIEBE“ und verwendete für das Thema Homosexualität eine gekürzte Fassung des Films. Die Originalfassung ist jedoch nicht mehr erhalten. Gezeigt wird eine neue digitale Rekonstruktion des Filmmuseums München.


Anschließend wird mit „ICH MÖCHTE KEIN MANN SEIN“ (Deutschland 1918) einer der insgesamt zwölf Filme gezeigt, die der Regisseur Ernst Lubitsch mit der Schauspielerin Ossi Oswalda zwischen 1916 und 1920 drehte. Zum Leidwesen ihres Onkels, bei dem sie wohnt, und ihrer strengen Gouvernante verhält sich die junge Ossi wenig damenhaft, spielt Karten mit Männern, flirtet, raucht und trinkt und wäre lieber als Junge zur Welt gekommen. Nun wird für sie ein Vormund bestellt, der gutaussehende Dr. Kersten (gespielt von Curt Goetz). Verkleidet als Mann, taucht Ossi eines Abends ins Berliner Nachtleben ein und entdeckt im Tanzlokal „Mäusepalast“ ihren Vormund bei einem Tête-à-Tête mit einer Frau, was ihre Eifersucht entfacht. Trickreich und vermeintlich als Mann gelingt es ihr, Dr. Kersten zu verführen. In der achten Zusammenarbeit mit Lubitsch spielt Oswalda die Hosenrolle kokett mit famoser Situationskomik. Von der Zensur wurde der Film im Juli 1918 mit einem Jugendverbot belegt.


Richard Siedhoff (Weimar) begleitet am Klavier. Eingerahmt werden die beiden Filme durch Liveinterpretationen zeitgenössischer Couplets/Lieder. Einführung: Frank Hoyer (Köln, Herausgeber www.stummfilm-magazin.de)

 

Text: red./OE | Quelle: Pressedienst der Landeshauptstadt Düsseldorf