Vor einigen Wochen ist im Düsseldorfer Karl Rauch Verlag das vierte Buch des tschechischen Schriftstellers und Journalisten Vratislav Maňáks erschienen. Sein Werk ist ein Panorama schwuler Lebenswelten jenseits stereotyper Vorstellungen.

Vratislav Maňáks „Mit Wittgenstein in der Schwulensauna“ ist kein Buch, das man einfach liest – es ist ein Buch, das man erlebt. Mit scharfem Verstand und noch schärferem Blick für die Abgründe und Schönheiten schwuler Lebenswelten in Mitteleuropa führt uns der Autor durch eine Welt, die zwischen Philosophie, Soziologie und persönlicher Reflexion oszilliert. Maňák schreibt nicht nur über Begehren, Körperlichkeit und das Überschreiten von Grenzen – er lebt diese Themen in seinen Essays, die mal analytisch, mal poetisch, immer aber von einer berührenden Ehrlichkeit durchdrungen sind.
Besonders faszinierend ist, wie er große Denker wie Wittgenstein, Eribon oder Magris nicht als ferne Autoritäten zitiert, sondern als Weggefährten in seine eigenen Erkundungen einbindet. So entsteht ein Dialog zwischen Vergangenheit und Gegenwart, zwischen Theorie und gelebter Realität. Seine Texte sind voller Neugier, Mut und einer fast greifbaren Sinnlichkeit – ob er über die Verführung des Verbotenen schreibt, über die Ambivalenz männlicher Identität oder über die Räume, in denen schwule Kultur atmet: Berlin, Wien, Budapest.
Maňáks Stärke liegt darin, dass er die spezifischen Erfahrungen schwuler Männer mit universellen Fragen verbindet. Was bedeutet es, seinen Körper zu begehren und zu fürchten? Wo enden die Gewissheiten von Männlichkeit – und was beginnt jenseits davon? Seine Prosa ist klug, ohne kalt zu sein, und sinnlich, ohne oberflächlich zu werden.
„Mit Wittgenstein in der Schwulensauna“ ist ein Werk, das nicht nur informiert, sondern berührt, nicht nur erklärt, sondern zum Nachdenken und Fühlen anregt. Ein Buch, das lange nachhallt – und das man am liebsten sofort weiterempfiehlt.
Mit Wittgenstein in der Schwulensauna
Vratislav Maňák
Karl Rauch Verlag
Gebunden. Haptisches Bezugspapier, 192 Seiten, 12 x 20 cm
ISBN 978-3-7920-0243-8
26 Euro
