DQ-Lesetipp | Mai 2024

Das Team der Lesben- und Schwulen-Bibliothek Düsseldorf stellt hier regelmäßig lesenswerte Bücher vor. Diesmal: „Cliffworth Academy - Between Lies and Love“ von Jennifer Wiley und „Spiegelstadt – Tränen aus Gold und Silber“ von Christian Handel & Andreas Suchanek.

Bild: Lesetipp Mai 2024
Bild: Buchcover "Cliffworth Academy"
© KNAUR

Cliffworth Academy - Between Lies and Love

Jennifer Wiley

Knaur | ISBN 978-3-426-53036-8

 

Der Roman „Cliffworth Academy – Between Lies and Love“ von Jennifer Wiley ist der erste Band einer New Adult/ Dark Academia Duologie, der erst im Oktober 2023 erschienen ist.

 

14 Collegeabsolvent*innen finden sich an der Cliffworth Academy zusammen, um dort an dem sechswöchigen Auswahlverfahren für ein Stipendium an der Cliffworth Universität teilzunehmen. Die Geschichte spielt vor der wunderschönen Kulisse einer Klippenlandschaft in Wales, die der Cliffworth Academy ihren Namen gibt. Im Vordergrund der Geschichte stehen Vada McGowen und Macy Moore, die sich gleich am ersten Tag anfreunden und eine Verbindung zueinander fühlen. Doch dann werden sie kurz darauf in zwei unterschiedliche Gruppen, die Roses und die Clovers, eingeteilt. Diese zwei Gruppen treten während des sechswöchigen Auswahlverfahrens in verschiedenen Unterrichtseinheiten, die aus Literatur, Geschichte und weiteren Fächern bestehen, gegeneinander an. Nun wird von ihnen verlangt, dass sie sich voneinander fernhalten, während gleichzeitig ein mit Lügen und Intrigen gespickter Konkurrenzkampf zwischen den Gruppen entfacht. Können sich Vada und Macy trotz ihrer Anziehung voneinander fernhalten und im Wettstreit um das Stipendium bekämpfen? Oder schaffen sie es, sich trotz der Anfeindungen, Machtspiele und ihrer eigenen Geheimnisse näherzukommen? Wer gewinnt die sieben Stipendien und werden sich Vada und Macy an der Cliffworth Universität wiedersehen?

 

Der Autorin gelingt es, die aufblühende Beziehung zwischen Vada und Macy in einem angenehmen Tempo zu entfalten, ohne die eigentliche Handlung zu überstürzen. Die Begegnungen zwischen Vada und Macy werden immer tiefgehender und sind geprägt von einer sich langsam entwickelnden emotionalen und körperlichen Nähe. Die Autorin beweist ein hervorragendes Gespür dafür, wie viel Erotik die Geschichte benötigt, ohne die eigentliche Handlung zu überladen oder von der Spannung abzulenken. Die „Spicy Scenes“ sind geschmackvoll und ästhetisch beschrieben, wobei ein perfektes Gleichgewicht zwischen Intensität und Aufbau herrscht.

 

Der Roman ist nicht nur eine Liebesgeschichte, sondern auch ein fesselndes Drama über Ambitionen und die menschliche Natur, denn wir lernen auch die Nebenfiguren und ihre Ziele kennen, dabei erfahren wir, wie weit diese für ihre Ziele gehen. Die Dynamik innerhalb der Akademie und die Beziehungen zwischen den Charakteren sind komplex und gut durchdacht. Die atmosphärische Beschreibung der walisischen Landschaft und die alte Architektur der Akademie verleihen dem Buch eine zusätzliche Tiefe. Wir lernen dort Zufluchtsorte auf den Klippen, aber auch wunderschöne Bibliotheken und geheime Gänge kennen. Diese detaillierte Darstellung hilft, die Stimmung zu setzen und trifft die Dark Academia Atmosphäre auf den Punkt.

 

Die Mischung aus aufblühender, erotischer Liebe und der fortwährende Wettstreit um ein Stipendium an der renommierten Cliffworth Universität, der getränkt ist mit Lügen und Intrigen, bietet den Leser*innen ein angenehmes Maß an Spannung, sodass man das Buch kaum niederlegen kann.

 

Vorgestellt von Natalie Wiedenau

 

Bild: Buchcover "Spiegelstadt"
© KNAUR

Spiegelstadt - Tränen aus Gold und Silber

Christian handel & Andreas Suchanek

Knaur | ISBN 978-3-426-52943-0

 

Für Max läuft es gerade alles andere als gut. Sein langjähriger Partner hatte ihn häufiger betrogen, so dass Max sich gezwungen sah, die Beziehung zu beenden. Da sein Partner auch sein Vorgesetzter war, bekam er eine Abfindung und ein Zeugnis und ist jetzt zurück in seiner alten Heimat Berlin. Zum Schluss ist gerade noch seine Großmutter, die einzige verbliebene Verwandte, an einem Herzinfarkt gestorben. Im Haus seiner Oma, das nun ihm gehört, wälzt er sich in Selbstmitleid und Chipstüten auf der Couch. So findet ihn seine beste Freundin Robin nach ein paar Tagen dort vor und überredet ihn, sie auf eine 20er-Jahre-Kostümparty zu begleiten. Vor Ort ist Max völlig hingerissen vom Ambiente der Location und den Augen eines Unbekannten, der sich als Lenyo vorstellt. Die Party wird jedoch abrupt von einer maskierten und bewaffneten Gestalt unterbrochen, die es eindeutig auf Lenyo abgesehen hat. Im darauffolgenden Gerangel wird Max durch ein Messer verletzt. Trotzdem gelingt es Lenyo und Max, mit Robin im Schlepptau, zu fliehen. Nach kurzer Verfolgung und in die Ecke getrieben, öffnet Lenyo mit Hilfe einer magischen goldenen Träne ein Portal in eine andere Welt. Es ist ein Berlin der 1920er-Jahre, erstarrt in Raum und Zeit, bevölkert von Feenwesen und magischen Kreaturen aller Art. Vor knapp hundert Jahren erschuf der örtliche Feenkönig diese Version von Berlin, als Schutz und Zuflucht vor den Menschen und ihrer unheimlichen Technologie. Aktuell herrscht Kronprinzessin Tamyra mit eiserner Hand über ihre Untergebenen, immer auf der Jagd nach dem Widerstand und Grenzgängern wie Lenyo. Und in diese Situation ist der reichlich überforderte Max, mit Robin an seiner Seite, gerade hineingestolpert. Vom Regen in die Traufe – sozusagen.

 

Am Anfang tröpfelt die Fantasy, genauso wie die Magie, nur schwach vor sich hin innerhalb der Handlung. Doch nach und nach wird aus dem Roman sehr schnell ein Fantasy-Action-Thriller, der es in sich hat. Nicht nur dass immer mehr magische Kreaturen im Verlauf der Handlung auf beiden Seiten der übernatürlichen Barriere zum Einsatz kommen, auch mit Tamyra wurde ein weiblicher Bösewicht erschaffen, der es in sich hat. Bei ihr wird nicht lang gezaudert, wenn sie etwas will, nimmt sie es sich, ganz egal wen sie dafür töten muss. Neben all dem übernatürlichen Wahnsinn des Augenblicks gibt es noch die beginnende Romanze zwischen Lenyo und Max. Die beiden schenken sich Blicke und machen ihren aufgestauten Gefühlen häufiger mit Wortgefechten Luft. Auch die anderen handelnden Personen halten sich nicht mit Situationskomik und Sarkasmus zurück.

 

Christian Handel und Andreas Suchanek gehören mittlerweile zu den erfolgreichsten deutschen Phantastik-Autoren der Gegenwart. In diesem Roman zeigen sie ihr ganzes Können durch wechselnde Perspektiven, so dass ich wirklich nicht sagen konnte, wer von ihnen nun welches Kapitel geschrieben hat. Dies ist der erste Band einer Dilogie, die mit einem fiesen Cliffhanger endet.

 

Vorgestellt von Markus Gickeleiter

 

Die Bücher können bei der LUSBD Lesben- und Schwulen-Bibliothek Düsseldorf kostenlos ausgeliehen werden.

 

Lesben- und Schwulenbibliothek Düsseldorf
im Bürgerhaus Angermund
Graf-Engelbert-Str. 9
40489 Düsseldorf
Geöffnet jeden Sonntag von 15.00 bis 16.30 Uhr

Anmeldung erforderlich

www.lusbd.de

 

DQ – Düsseldorf Queer dankt dem Team der LUSBD für die nette Zusammenarbeit.