Beratung für Regenbogenfamilien

Die neue Fachstelle für Regenbogenfamilien hatte bereits im September 2017 ihre Arbeit aufgenommen. Jetzt wurde die Beraterin Vivian Donner offiziell vorgestellt. Sie arbeitet in der AWO-Erziehungsberatungsstelle in Eller – ein bundesweites Novum.

Bild: Michaela Herbertz-Floßdorf, Vivian Donner und Klaus Trömer

Von links nach rechts: Michaela Herbertz-Floßdorf (LAG Regenbogenfamilien in NRW), Vivian Donner (Fachberaterin) und Klaus Trömer (Leiter der Erziehungsberatungsstelle Eller)

Bild: Michael Kipshagen
Michael Kipshagen (Kreisgeschäftsführer der AWO Düsseldorf)

Bei der Pressekonferenz am 12. Dezember 2017 freute sich Michael Kipshagen, Kreisgeschäftsführer der AWO Düsseldorf, über das neue Beratungsangebot. Es sei die bundesweit erste Fachstelle für Regenbogenfamilien, die im Kontext einer Erziehungsberatung arbeiten würde, so Kipshagen. Man habe nicht nur Informations- und Multiplikator_innen-Angebote schaffen wollen, sondern konkrete Beratungsarbeit für schwule und lesbische Eltern – inklusiv angebunden an eine Regeleinrichtung. Auch Ursula Holtmann-Schnieder, Vorsitzende des Jugendhilfeausschusses im Rat der Stadt Düsseldorf, betonte die Rückkopplung der neuen Fachstelle an die Erziehungsberatungsstelle. Der Rat der Landeshauptstadt hatte im vergangenen Jahr eine zweijährige Förderung der Regenbogen-Stelle beschlossen.

 

Bild: Ursula Holtmann-Schnieder
Ursula Holtmann-Schnieder (Vorsitzende des Jugendhilfeausschusses im Rat der Stadt Düsseldorf)

Jährlich stehen somit 74.000 Euro für das neue Informations- und Beratungsangebot zur Verfügung. Hierfür hatten sich die Düsseldorfer Ampelkoalition, aber vor allem das Forum Düsseldorfer Lesben-, Schwulen- und Trans*-Gruppen – namentlich Eva Bujny, Michaela Herbertz-Floßdorf und Christian Naumann – eingesetzt. „Ich bin guter Hoffnung, dass die Stadt an einer Weiterführung interessiert ist“, sagte Michael Kipshagen. Langfristig sei eine Normalisierung das Ziel, schwule und lesbische Paare und queere Familien müssten sich ganz normal im Rahmen bestehender Angebote zuhause fühlen. Hierfür seien aber mit Sicherheit mehr als zwei Jahre intensiver Arbeit notwendig, so Kipshagen.

 

Bild: Michaela Herbertz-Floßdorf und Vivian Donner
Freuen sich über die Eröffnung der neuen Beratungsstelle: Michaela Herbertz-Floßdorf (links) und Vivian Donner

Michaela Herbertz-Floßdorf, Initiatorin der LAG Regenbogenfamilien in NRW, erinnerte daran, dass jetzt ein Rahmen geschaffen sei, der die seit zehn Jahren bestehende ehrenamtliche Arbeit der Familienselbsthilfe professionalisieren könne. „Regenbogenfamilien müssen ins Zentrum der Familienvielfalt rücken“, so die langjährige Aktivistin. Auch nach der „Ehe für alle“ gebe es eine „heftige Ungleichbehandlung“ bei der sogenannten Stiefkindadoption. Hier habe es zwar gerade in Düsseldorf Fortschritte bei der Anerkennung der Mutterschaft bei lesbischen Eltern gegeben, zumindest was die Bearbeitungszeit innerhalb der Stadtverwaltung anginge, so Herbertz-Floßdorf. Doch der Gesetzgeber müsse hier schnell einen Ausweg finden, um lesbische Mütter nicht weiter zu diskriminieren.

Vivian Donner, die neue Beraterin bei der AWO für die Belange von Regenbogenfamilien, ergänzt, es gehe zum um die Beförderung von Empowerment bei Eltern und Kindern, und zum anderen darum, Hürden abzubauen. In der Tagespflege, in Kindertagesstätten oder Schulen gebe es oft noch die Ansicht, Kinder aus Regenbogenfamilien hätten eine Leerstelle in ihrem Leben. Der „fehlende“ Vater oder die „fehlende“ Mutter seien aber nie das Problem, sondern das Nichtwissen von Erzieher_innen oder Mitarbeiter_innen in städtischen Behörden und fehlende Empathie beim Vorgehen gegen bestehende Vorurteile. Die 49-jährige Diplom-Sozialpädagogin ist seit vielen Jahren in der Düsseldorfer LSBT*-Community aktiv und hat u.a. das Schulaufklärungsprojekt SCHLAU mitaufgebaut. Seit dem 15. September steht Vivian Donner jetzt als Fachkraft für Regenbogenfamilien zur Verfügung.

 

In Düsseldorf – wie auch anderswo – gibt es keine verlässlichen Zahlen, wie viele Regenbogenfamilien es gibt. Den Netzwerker_innen seien rund 260 Familien bekannt, hinzu käme noch eine große Anzahl unbekannter Fälle. Bei rund 93 Prozent der Regenbogenfamilien handele es sich um lesbische Paare, in rund 7 Prozent der Fälle sei das Elternpaar schwul. Auch würden schwule und lesbische Paare zunehmend als Pflegeeltern „entdeckt“; eine erfreuliche Entwicklung zu mehr Normalität. Neben der Düsseldorfer Fachstelle gibt es Beratungsangebote für Regenbogenfamilien in Berlin, München und Köln.

In der Fachstelle können Fragen und Anliegen vor, während und nach der Familiengründung im Beratungssetting besprochen werden. So etwa Beratung bei Kinderwunsch, Pflegschaft und Adoption, Konfliktberatung bei Problemen im Familienalltag, Beratung bei Trennung und Scheidung sowie Beratung und Unterstützung bei Diskriminierung. Im Rahmen der Fachstelle werden auch Gruppen für Regenbogeneltern (Lesben, Schwule, Bi*, Trans* und queer*) – teils in Kooperation mit der Frauenberatungsstelle Düsseldorf – initiiert und angeboten. Familiennahe Institutionen wie Kitas und Schulen sowie deren Multiplikator_innen können sich ebenso an die Fachstelle wenden. Sie bietet ihnen Bildungsveranstaltungen und Beratung an, z.B. Informationsveranstaltungen für Fachkräfte, Fortbildungsangebote für Pädagog_innen und Vorträge zu spezifischen Themen in und um Regenbogenfamilien.

Die Fachstelle für Regenbogenfamilien ist montags bis donnerstags von 9.00 bis 17.00 Uhr und freitags von 9.00 bis 15.00 Uhr zu erreichen. In dieser Zeit können Termine für alle Angebote vereinbart werden.

Fachstelle Regenbogenfamilien
AWO-Beratungsstelle Eller, Schloßstraße 12c, 40229 Düsseldorf
Vivian Donner, Tel. 0211-60025-363, E-Mail: vivian.donner@awo-duesseldorf.de

 

Text und Fotos: Oliver Erdmann