Queere Stimmen aus der Ukraine

„Sprachnachricht aus dem Krieg“ lautet der Titel eines dokumentarischen Audio-Projekts des Theaterensembles Düsseldrama. Ein Rechercheteam führt hierzu Interviews mit jungen queeren Ukrainer*innen über Alltag und Selbstbehauptung.

Drei Personen stehen auf einem Bahnsteig und machen ein Selfie. Zu sehen ist der Schriftzug Berlin Nordkreuz.
Marvin Wittiber, Natalie Neumann und Niclas Reichelt (von links) bei der Abreise in Berlin. Mit dem Zug geht’s nach Przemyśl in die polnisch-ukrainische Grenzregion und dann weiter nach Lwiw. // Foto: privat

Ein dreiköpfiges Team des Theaterensembles Düsseldrama ist unterwegs in die Ukraine. Für das dokumentarische Theater- und Rechercheprojekt „Sprachnachricht aus dem Krieg“ treffen sich Marvin Wittiber, Regisseur und Mitbegründer von Düsseldrama, und die freien Journalist*innen Natalie Neumann und Niclas Reichelt vom 1. bis 7. Juli 2026 in Lwiw und Kyjiw mit jungen queeren Ukrainer*innen und führen Gespräche mit LGBTQ-Organisationen und Community-Netzwerken vor Ort.

 

Im Zentrum des Projekts stehen junge queere Lebensrealitäten während des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine: Alltag unter Luftalarm, Unsicherheit, Verlust und Flucht – aber auch Freundschaft, Liebe, Community, Hoffnung und Selbstbehauptung. Die Interviews bilden die Grundlage für eine dokumentarische Audio-Performance, die später mit jungen queeren Ukrainer*innen in Deutschland entwickelt werden soll.

 

„Eine Sprachnachricht ist nah, auch wenn jemand weit weg ist. Sie trägt Atem, Pausen, Müdigkeit, Humor, Angst und Zärtlichkeit in sich“, heißt es in der Projektankündigung. Genau diese Nähe möchte das Projekt hörbar machen: nicht über junge queere Ukrainer*innen sprechen, sondern mit ihren Stimmen und Perspektiven arbeiten.

 

Marvin Wittiber, Natalie Neumann und Niclas Reichelt haben in den vergangenen Wochen Kontakte in die Ukraine aufgebaut, sich mit LGBTQ-Organisationen und Community-Netzwerken vernetzt und digitale Vorgespräche mit jungen queeren Ukrainer*innen geführt. Die Reise nach Lwiw und Kyjiw wird auch über Social Media begleitet. Dabei legt das Team besonderen Wert auf sensible Recherche, Anonymisierung, Einverständnis und den Schutz der Gesprächspartner*innen.

 

Koordiniert wird die Recherche von dem künstlerischen Leiter Marvin Wittiber. Er war 2025 bereits als journalistischer Dramaturg an der ukrainisch-deutschen Produktion „Die Häuslichen“ von Malin Kraus am Teatr Lesi in Lwiw beteiligt. Für das dokumentarische Stück recherchierte das Team in und um Lwiw zu Feminismus im Alltag ukrainischer Frauen – eine Erfahrung mit Interviews, Begegnungen und deutsch-ukrainischer Zusammenarbeit, an die die aktuelle Recherche anknüpft. Für „Sprachnachricht aus dem Krieg“ arbeiten Wittiber und Kraus nun erneut in einer dokumentarisch geprägten Theaterarbeit zusammen: Kraus ist als Autorin beteiligt.

 

Zum Projekt

 

„Sprachnachricht aus dem Krieg“ ist ein dokumentarisches Theater- und Rechercheprojekt des Düsseldorfer Theaterensembles Düsseldrama. Aus Audiointerviews, biografischen Fragmenten, eigenen Texten und künstlerischen Antworten entsteht im Rahmen eines Intensiv-Theaterworkshops eine Audio-Performance mit jungen queeren Ukrainer*innen über Alltag, Krieg, Community und Selbstbehauptung. Die Aufführungen sollen Ende September im Haus der Jugend in Düsseldorf präsentiert werden.

 

Die Recherche findet in Zusammenarbeit mit freien, jungen Journalist*innen sowie im Austausch mit LGBTQ-Organisationen und Community-Netzwerken in der Ukraine statt. In Deutschland sollen die Stimmen aus der Ukraine später auf junge queere Ukrainer*innen treffen, die hier leben und aus unterschiedlichen biografischen Perspektiven auf die Ukraine blicken. Ziel ist ein künstlerischer Raum, in dem nicht über junge queere Ukrainer*innen gesprochen wird, sondern mit ihren Stimmen und Perspektiven gearbeitet wird.

 

Das Projekt findet in Kooperation mit dem deutsch-ukrainischen Verein de.Perspektive und dem Jugendring Düsseldorf sowie in Zusammenarbeit mit der Jugendgruppe Jugend.Perspektive, dem Theatermuseum Düsseldorf und Queere Geschichte(n) Düsseldorf e.V. statt.

 

Unterstützt wird das Projekt von KyivPride, dem Queeren Netzwerk NRW und dem Amt für Gleichstellung und Antidiskriminierung Düsseldorf. Gefördert wird es durch Demokratie leben! Düsseldorf im Rahmen des Düsseldorfer Demokratie Fonds.

 

Über Düsseldrama

 

Düsseldrama ist ein junges freies Theaterensemble aus Düsseldorf, das 2024 von Regisseur Marvin Wittiber und Autorin Simone Saftig gegründet wurde. Das Team entwickelt Theaterprojekte an der Schnittstelle von dokumentarischer Recherche, gesellschaftspolitischen Themen und performativen Erzählformen. Zuletzt beschäftigte sich Düsseldrama in seiner Rosa-Winkel-Trilogie mit den Lebensrealitäten queerer Düsseldorfer*innen vor, während und nach der NS-Zeit.

 

Quelle: Düsseldrama | Red. Bearbeitung: Oliver Erdmann