Statements der Religionsgemeinschaften zum Diversity-Tag 2021

Anlässlich des heutigen Diversity-Tages 2021 hat das Amt für Gleichstellung der Landeshauptstadt Düsseldorf die Statements von Vertreter*innen der großen Religionsgemeinschaften zum Thema „Akzeptanz von gleichgeschlechtlichen Lebensentwürfen“ veröffentlicht.

Bild: Charta der Vielfalt - Wir zeigen Flagge für Vielfalt

Das Amt für Gleichstellung beteiligt sich mit einer Social-Media-Aktion am Diversity-Tag 2021. Vertreter*innen der Evangelischen Kirche in Düsseldorf, der Katholischen Kirche in Düsseldorf, der Jüdischen Gemeinde Düsseldorf und des Kreises der Düsseldorfer Muslime (KDDM) wurden gebeten, Videostatements zum Thema „Akzeptanz von gleichgeschlechtlichen Lebensentwürfen“ zu formulieren.


„Was ist die Haltung Ihrer Glaubensgemeinschaft zur Ehe (und ggf. Segnung) von gleichgeschlechtlichen Paaren – und wie stehen Sie persönlich dazu?“ – so lautete die Fragestellung. Die Antworten der Religionsgemeinschaften wurden heute auf der Facebook-Seite des Amtes für Gleichstellung veröffentlicht unter: www.facebook.com/gleichstellungdus

 

Pfarrer Heinrich Fucks, Superintendent der Evangelischen Kirche Düsseldorf, sagt, es habe eine Zeitlang gedauert, bis die Evangelische Kirche die Vielfalt der Liebesbeziehungen zwischen Mann und Frau, Frau und Frau sowie zwischen Mann und Mann „nicht nur erkannt, sondern auch anerkannt“ habe. „Ich bin froh, dass wir heute auch gleichgeschlechtliche Paare und Beziehungen segnen“, so Fucks weiter.


Pfarrer Frank Heidkamp, Stadtdechant der Katholischen Kirche Düsseldorf, zitiert zunächst das aktuelle Schreiben des Vatikans zum Thema Segnungen für gleichgeschlechtliche Paare, das erst kürzlich für Aufsehen und breite Ablehnung auch innerhalb der katholischen Kirche gesorgt hat. Heidkamp berichtet über die vielen Reaktionen, etwa des Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz, des Wiener Kardinals oder des Essener Bischofs, die sich für solche Segnungen ausgesprochen hätten. „Für mich muss Kirche offen sein für Menschen jeder sexueller Orientierung“, so Pfarrer Heidkamp, „da muss sich in Kirche noch viel verändern – auch beim Thema Segnungen.“

 

Bild: Regenbogenflaggen an Katholischen Kirche in Düsseldorf

Regenbogenflaggen an den Katholischen Kirchen St. Antonius in Düsseldorf-Hassels und St. Elisabeth in Düsseldorf-Reisholz als Symbole für das Eintreten der Kirchengemeinde gegen das päpstliche Segungsverbot für gleichgeschlechtliche Paare. // Foto: Quelle facebook.com/stantoniuselisabeth

DIe Katholische Kirchengemeinde St. Antonius und Elisabeth erhielt viel Zuspruch und Anerkennung für ihre Beflaggungsaktion Ende April 2021, wie die Vorsitzende des Pfarrgemeinderates, Virginia Titz, auf Facebook schrieb. Zuvor hatte sie erklärt: "Liebe Gemeinde, wie Sie vielleicht den Medien entnommen haben, hat der Vatikan, sein Verbot gleichgeschlechtliche Paare zu segnen bekräftigt. In der letzten Pfarrgemeinderatssitzung wurde deutlich, wie schwer wir uns damit tun. Daher ist es uns ein Bedürfnis dazu unsere Haltung zu zeigen. Wir meinen, warum darf man für zwei Menschen, die ihren Lebensweg in Liebe, gegenseitigem Respekt und Treue miteinander gehen möchten, nicht um einen ganz persönlichen Segen Gottes bitten? Wir empfehlen sie damit dem Schutz und der Barmherzigkeit Gottes. Wir möchten in unserer Gemeinde jedem Menschen Heimat bieten, der sie bei uns sucht. Jeder ist bei uns willkommen und kann sich einbringen. Daher haben wir beschlossen, als Zeichen unserer Haltung, eine Regenbogenfahne vor unseren Kirchen aufzuhängen."
In Düsseldorf blieb diese symbolträchtige Aktion jedoch ein Einzelfall unter den Katholischen Kirchengemeinden.

Für den Kreis der Düsseldorfer Muslime (KDDM) erklärt deren Vorstandsvorsitzender Dr. Dalinc Dereköy: „In wenigen Minuten zu einem so einem komplexen Thema als Nicht-Theologe Stellung zu nehmen, ist schwierig.“ Mainstream-Islam stehe gleichgeschlechtlichen Ehen kritisch gegenüber, das gelte auch für Segnungen solcher Ehen, so Dereköy. Mittlerweile existierten bei Religionen jedoch vom Mainstream abweichende Richtungen als Alternative, dies sei der Segen einer liberalen Demokratie. „Religionen sollten spirituellen Halt und Seelsorge für alle Menschen bieten, die dies möchten“, ergänzt Dr. Dalinc Dereköy und weiter: „Ein wenig mehr Empathie, Toleranz und Akzeptanz tut uns allen gut.“


Die Jüdische Gemeinde Düsseldorf reagierte nur schriftlich auf die Frage des Gleichstellungsamtes. In ihrer Antwort heißt es: „Die religiöse Vielfalt des Judentums spiegelt sich unter unseren Gemeindemitgliedern wider, die aus verschiedenen Nationen und Kulturkreisen stammen und in Düsseldorf ihre neue Heimat gefunden haben. Wir als Jüdische Gemeinde profitieren von dieser Vielfalt und respektieren diese, weil sie unser Miteinander bereichert. Dies gilt selbstverständlich nicht ausschließlich für die individuelle religiöse Ausrichtung, sondern auch für alle unterschiedlichen Aspekte des privaten Lebens. Wir leben als Jüdische Gemeinde Vielfalt und Toleranz. Und das ist gut so.“

 

Der Verein „Charta der Vielfalt e.V.“ hat den 18. Mai 2021 zum bundesweiten Diversity-Tag ausgerufen. Er findet bereits zum neunten Mal statt. Auch die Landeshauptstadt Düsseldorf beteiligt sich zum wiederholten Mal an dem Aktionstag. 2008 hat die Stadt die „Charta der Vielfalt“ unterzeichnet und ist auf vielen verschiedenen Ebenen in der Vielfalts- und Antidiskriminierungsarbeit in der Stadtverwaltung und Stadtgesellschaft aktiv. Diversity umfasst mehrere Dimensionen: das Alter, die ethnische Herkunft und Nationalität, die sexuelle Orientierung, die Religion und Weltanschauung, das Geschlecht und die geschlechtliche Identität und die körperlichen und geistigen Fähigkeiten.

 

Text: Oliver Erdmann