Stolperstein für Karl Carduck

Gestern haben die Mahn- und Gedenkstätte Düsseldorf und das queere Jugendzentrum PULS einen Stolperstein für Karl Carduck verlegt. Der Gedenkstein an der Steinstraße erinnert an die Homosexuellen-Verfolgung durch die Nazis und das persönliche Schicksal Carducks.

Bild: Initiator*innen der Stolperstein-Verlegung
Die Initiator*innen der Stolperstein-Verlegung für Karl Carduck: Jugendliche und das Team des PULS, Astrid Hirsch (Mahn- und Gedenkstätte, rechts) und Jana Hansjürgen (Diversity-Beauftragte, 3.v.r.). | Foto: HirschMuGedenkDus

Karl Carduck war Opfer der Schwulenverfolgung, die nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten im Jahr 1933 in ganz Deutschland um sich griff und bis 1938 allein in Düsseldorf zu rund 400 Festnahmen homosexueller Männer nach dem Paragraph 175 führte. Düsseldorf war damit eine Hochburg der staatlichen Verfolgung von Homosexuellen in Westdeutschland. Die Gerichte verhängten regelmäßig Haftstrafen bis zu sechs Monaten; die Gestapo konnte die Festgenommenen unabhängig von Gerichtsurteilen in Konzentrationslager einliefern.


Der damals 23-jährige Düsseldorfer Karl Carduck war im Juni 1937 bei der Gestapo als Homosexueller denunziert worden. Er wurde überwacht und schließlich festgenommen. Er sei „Kopf eines homosexuellen Zirkels“ gewesen, lautete der Vorwurf, seine Wohnung an der Steinstraße sei Treffpunkt für Homosexuelle. Karl Carduck wurde als Hauptbeschuldigter zu 18 Monaten Gefängnisstrafe verurteilt, auch seine Freunde erhielten Haftstrafen wegen Verstößen gegen den Paragraphen 175. 1940 wurde Karl Carduck zum Kriegsdienst eingezogen, er starb am 21. August 1942 als Soldat an der Front in Russland.

 

Bild: Stolperstein für Karl Carduck
Stolperstein für Karl Carduck an der Steinstraße Ecke Berliner Allee. | Foto: Jana Hansjürgen

Das Jugendzentrum PULS gab vor einiger Zeit den Anstoß für die Erinnerung an Karl Carduck im Rahmen des Stolperstein-Projektes. Seit 1992 verlegt der Künstler Gunter Demnig die kleinen Messing-Gedenktafeln, mit denen an das Schicksal der Menschen erinnert werden soll, die in der Zeit des Nationalsozialismus verfolgt, ermordet, deportiert, vertrieben oder in den Suizid getrieben wurden. In Zusammenarbeit mit der Mahn- und Gedenkstätte Düsseldorf recherchierten die Jugendlichen in den Archiven über das Leben und das Schicksal Karl Carducks.


Am 1. Oktober 2019 wurde der Stolperstein Karl Carducks an der Steinstraße Ecke Berliner Allee verlegt. Mit dabei waren Jugendliche und das Team des PULS, Astrid Hirsch von der Mahn- und Gedenkstätte und Jana Hansjürgen, Diversity-Beauftragte der Landeshauptstadt. Das PULS Jugendzentrum hat die Patenschaft für den Stolperstein übernommen und wird zukünftig die Pflege des Gedenksteins übernehmen und immer wieder an das Schicksal von Karl Carduck erinnern.

 

Bild: Verlegung des Stolpersteins
Bild: Geschmückter Stolperstein zum Gedenken an Karl Carduck
Nach der Verlegung des Stolpersteins erinnerten die Initiator*nnen an das Schicksal von Karl Carduck. | Foto: HirschMuGedenkDus

Text: Oliver Erdmann