Zehn Fragen an Bernd Plöger

Bernd Plöger ist seit 25 Jahren aktiv in der schwul-lesbischen Kulturszene in Düsseldorf. Der freischaffende Theaterregisseur freut sich besonders über die Erfolgsstory des Culture Club. Der 51-jährige Düsseldorfer im dq-Interview.

Bild: Bernd Plöger
Bernd Plöger

1_ Vor 25 Jahren hast du den Culture Club ins Leben gerufen. Was war damals dein Ansatz?


Das war ich nicht alleine: Wir waren eine Gruppe von Schwulen und Lesben, die im Café Rosa Mond unter dem Motto „Immer wieder Sonntags“ ein breites Kulturangebot aufgebaut haben. Theaterstücke, Lesungen, Film- und Diskussionsabende, das volle Programm. Und dann kam noch die Show Culture Club dazu. In den 90er waren LGBTIQ-Themen ja noch wenig und oft im negativen Kontext in den Medien und nicht in der öffentlichen Wahrnehmung. Es gab wenige Rollenvorbilder, wenig Möglichkeiten zur positiven Identifizierung mit der eigenen Sexualität. Um das zu ändern haben wir in einem diskriminierungsfreien Raum neben der Beratungsarbeit, dem Freizeitangebot auch die Kulturarbeit für LGBTIQ geöffnet.


2_ Was war und ist das Besondere an diesem Veranstaltungsformat?


Der Mix machts. Culture Club besteht aus allem, was Menschen auf der Bühne machen, beim Culture Club immer unter dem LGBTIQ-Aspekt. Das bedeutet neben Spaß und Entertainment in allen Formen – ob Travestie, Zauberei, Tanz oder Musik etc. – aber auch Information und Diskussion, Prävention und politische Auseinandersetzung. Das kann alles an einem Abend nebeneinander, nacheinander oder gleichzeitig passieren.


3_ Kultur oder Trash – wie würdest du den Culture Club einordnen?


Trash ist doch Kultur. Das Besondere am Culture Club ist, dass er sich nicht einordnen lässt. Wenn es eine Grenze gibt, dann versuchen wir, uns auf dem schmalen Grat zwischen den Gattungen zu balancieren. Ein Absturz ist dabei immer möglich. Aber nur, wenn Du was wagst, gewinnst Du. Gegen den Mainstream zu schwimmen, macht den Culture Club weniger interessant für die breite Masse. Aber das genau ist das Besondere. Es gab Zeiten, da wir die Jazz-Schmiede zweimal hätten füllen können. Aber da hat auch das Programm gelitten, wurde gefälliger, beliebiger. Das ist ein Balanceakt zwischen Publikumsliebling und persönlichem Anspruch.


4_ Die Kultur(r)etten sind eine lockere und gemischte Truppe. Was macht das Ensemble aus?


Dass wir was zu sagen haben. In jeder Nummer, die die Kulturetten machen, ob einzeln oder in der Gruppe, treffen wir eine inhaltliche Aussage, stellen kritische Fragen und bringen damit das Publikum zum Lachen und zum Nachdenken. Die besondere Lust an der Improvisation ist Programm: Ohne Proben ganz nach oben. Aber die Kulturetten sind ja viele, auch alle Mitwirkenden hinter, unter und über der Bühne sind die Kulturetten. Es ist ein Ensemble, wo sich alle auf ihre Art einbringen. Wir respektieren unsere Schwächen und feiern unsere Stärken, manchmal auch umgekehrt. Dabei bauen die aktiven Kulturetten auf die Vorarbeit aller auf, die in den letzten Jahren den Culture Club gestaltet haben.

 

Bild: Kultur(r)etten-Ensemble
Kultur(r)etten unplugged: Mark Seebürger, Bernd Plöger, Tobias von Rüden, Katharina Micha und Martin Krautscheid (von links)

5_ Wenn du dir die Gastkünstler_innen der zurückliegenden Jahre in Erinnerung rufst, welche bekannten Namen fallen dir da ein?


Natürlich könnte ich jetzt Namedropping machen. Aber das wird den vielen unterschiedlichen und ungezählten großartigen Leuten nicht gerecht, die in den 25 Jahren die Culture Club Bühne so bunt und reich bevölkert haben. Und letztlich ist Bekanntheit ja auch relativ. Manchen Künstler*innen, die sich mit ihrer Sexualität stark auf der Bühne identifizieren, wird der Zugang zu den Mainstream-Medien verwehrt. Deshalb zählen für mich Kategorien wie bekannt oder berühmt nicht.


6_ Wie kommt ihr eigentlich an eure Künstler_innen ?


Zum Teil melden sich die Künstler*innen bei uns über Facebook, die Homepage oder persönlich. Zum Teil sprechen wir sie an. Manche kommen in regelmäßigen Abständen wieder und dann sehen wir die Entwicklung, die sie mitmachen.


7_ Was ist die größte Herausforderung für die Moderation?


Als Moderator versuche ich dem Abend ein Gesicht zu geben, aber auch einen roten Faden. Dabei setze ich ganz un-moderat meine ganze Persönlichkeit, Überzeugung und Meinung ein. Ich habe keine Bühnenfigur mit festgelegtem Charakter. Ich bin ich und damit stehe ich sehr durchlässig auf der Bühne. Dabei wird mir jeden Abend aufs Neue klar: Die auftretenden Künstler*innen sind das Programm. Ich bin nur der Rahmen.

 

Bild: Bernd Plöger
Bernd Plöger

8_ Neben den Show-Acts gibt es seit jeher auch einen Talk-Teil. An welche besonderen Gesprächspartner_innen kannst du dich erinnern?


An alle. Schwule Ratsherren, lesbische Buchhändlerinnen, LGBTIQ-Aktivist*innen, Menschen mit ihren eigenen Geschichten und biografischen Hintergründen aber auch beruflichen Aufgaben. Und an eine sehr steile Verschwörungs-Theorie: Da war dieser Forscher, der behauptet hat, AIDS sei durch Aspirin heilbar.


9_ Der Culture Club ist seit Jahren ein Selbstläufer. Ihr macht kaum Werbung und kommt ohne öffentliche Förderung aus. Ist das auch in Zukunft ein tragfähiges Modell?


Viele unserer Zuschauer*innen kommen regelmäßig. Aber natürlich nutzen wir z.B. auch Facebook, um sie an den Termin zu erinnern. Wir haben unser Stammpublikum, beim Culture Club treffen sich alte Bekannte wieder und neue Gesichter zum ersten Mal. Die mediale Präsenz ist vor allem unter dem Aspekt ihrer Wirkung wichtig. Um einen bleibenden Eindruck zu hinterlassen und mehr Nachhaltigkeit zu erzielen, würde ich gerne noch mehr Menschen erreichen wollen.


10_ Was wünscht du dir für die nächsten Jahre beim Culture Club?


Immer neue und spannende Gastkünstler*innen und Talkgäst*innen. Ständig Neuzugänge bei den Kulturetten. Ein aufgeschlossenes Publikum. Das bedeutet: Ich wünsche mir, dass alles so bleibt, wie es ist und immer schon war. Unsere streitlustige Offenheit im Kulturetten-Ensemble möchte ich bewahren. Sie gewährleistet, dass wir uns ständig erneuern und hinterfragen. Und ich wünsche uns immer ein volles Haus.

 

Fragen: Oliver Erdmann