Zehn Fragen an Jana Hansjürgen

Jana Hansjürgen hat neun Jahre lang das schwul-lesbische Jugendzentrum PULS geleitet. Seit Oktober 2018 ist sie neue Diversity-Beauftragte im Gleichstellungsbüro der Landeshauptstadt Düsseldorf. Im dq-Interview verrät sie, welche Impulse sie der LSBTI*-Community geben will.

Bild: Jana Hansjürgen
Jana Hansjürgen

1_ Wie waren die ersten Wochen als neue Diversity-Beauftragte der Stadt?


Meine ersten Wochen als Diversity-Beauftragte waren spannend, aufregend, interessant, herzlich, vielfältig und mit vielen Impulsen und Ideen. Ich lerne täglich neue Menschen kennen und freue mich, dass ich schon viele Kolleg*innen in Düsseldorf durch meine vorherige Tätigkeit im Jugendzentrum PULS kenne und sich unsere Wege weiterhin kreuzen.
Spannend waren die Termine beispielsweise im Senior*innenrat, wo ich eine Präsentation über Diversity gehalten habe oder in der Heinrich-Heine-Universität.
 
2_ Was steht aktuell schon auf deiner Aufgabenliste fürs Jahr 2019?


Nachdem ich nun durch alle Dezernate, viele Ausschüsse und Gremien gereist bin, geht’s so richtig los. Im Januar findet das erste LSBTIQ-Netzwerk-Treffen für die Mitarbeiter*innen der Stadtverwaltung statt. Außerdem plane ich Aktionen zu dem Internationalen Tag gegen Rassismus am 21. März und dem Diversity-Tag am 28. Mai jeweils auf dem Schadowplatz, sowie einen Infostand beim CSD. Ich möchte mit vielen Kooperationspartner*innen auf die Straße und somit direkt an der Basis die Menschen erreichen.
Außerdem steht im Herbst 2019 der 3. DiverseCity Kongress an und aktuell führe ich Gespräche mit der VHS, um eine Ausstellung im Rahmen von 50 Jahre Stonewall aufzustellen.
Ende Januar fahre ich nach Potsdam zu einem Netzwerktreffen der „European Coalition of Cities against Racism“ und war schon bei einem bundesweiten Diversity-Netzwerktreffen im Dezember.

 

3_ Du hast das queere Jugendzentrum PULS mit aufgebaut und bis vor Kurzem geleitet. Welche Erfahrungen von dort kannst du in deinen neuen Job einbringen?


Viele… Ich bin unendlich dankbar für die Erfahrungen, das Miteinander, die Kontakte und Aktionen an der Basis und besonders für die diversen persönlichen Geschichten der Jugendlichen. Ich habe also Diversity erlebt und gelebt. Habe Mehrfachdiskriminierungen mitbekommen und Jugendliche mit ähnlichen Themen vernetzt. Im PULS sind alle sechs Diversity-Dimensionen vertreten… wenn auch "Alter" eher bei den Generationen-Cafés :)

 

4_ Was macht die Landeshauptstadt im Bereich LSBTIQ schon ganz gut und welche größeren Baustellen siehst du in diesem Bereich noch?


Wenn wir sehen, was hier in Düsseldorf wächst und gewachsen ist, welche Projekte unterstützt und finanziert werden und vor allem welch ein breites Forum an der Basis aktiv ist, können wir mächtig stolz sein. Ich denke es ist dennoch wichtig nun zu schauen, dass auch die noch neuen Projekte in feste Finanzierungen kommen.
Intern in der Stadtverwaltung erlebe ich bislang ein positives Klima. Wir konnten das Thema Diversity in die aktuelle Ausgabe der Mitarbeiter*innen-Zeitschrift „doppelpunkt“ als Leitartikel setzen und auch das LSBTIQ-Netzwerk bewerben. Ich bin sehr gespannt, was die Kolleg*innen aus den anderen Ämtern und Dienststellen im Netzwerk von ihren Erfahrungen berichten werden und wo sie Handlungsbedarf sehen.

 

Bild: Jana Hansjürgen
Jana Hansjürgen

5_ Was kann Düsseldorf noch von anderen Städten lernen?


Unsere liebe Nachbarstadt Köln hat eine Sistercity Conference zum CSD veranstaltet, wo lesbische Aktivistinnen der Partnerstädte eingeladen waren. Ich durfte damals die Moderation übernehmen und habe so die Organisation und die Veranstaltung live mitbekommen und als sehr empowernd wahrgenommen. Es wäre schön LSBTIQ Gäste aus Chemnitz, Reading, Haifa, Moskau, Palermo und Warschau bei uns zu haben, einen Austausch zu ermöglichen, Ideen auszutauschen und gemeinsam zu spinnen.

 

6_ Es gibt viele tolle Düsseldorfer Initiativen im Bereich LSBTIQ, die sich alle zwei Monate im LSBT*-Forum Düsseldorf austauschen. Was muss sich an der Vernetzung noch ändern oder verbessern?


Das Forum hat sich vor einigen Jahren richtig stark aufgestellt. Ich bin den Sprecher*innen, die den Staffelstab ja nun weitergeben, sehr dankbar und freue mich über all die großen Schritte und die Sichtbarkeit, sei es bei Veranstaltungen, im Gleichstellungsausschuss oder durch die Internetpräsenz (Homepage und Facebook).
Ich freue mich auf ein neues Sprecher*innen-Team und bin gespannt auf mögliche neue Schwerpunkte. Die Termine haben sich gut eingependelt, die Sitzungen sind gut besucht und alle bringen sich und ihre Themen ein. Und genau das wünsche ich mir auch für die Zukunft.

 

7_ Mit den EuroGames 2020 kommt ein großes LSBTIQ-Sportevent nach Düsseldorf. Wird sich die Landeshauptstadt aktiv an der Organisation beteiligen?


Die Sportvereine sind bereits in Gesprächen mit dem Sportamt, wo es in den vergangenen Jahren gute Verbindungen und Veranstaltungen gab.
Ich möchte mich nun mit dem Team zusammensetzen und über konkrete Unterstützung und Beteiligung sprechen.

 

Bild: Jana Hansjürgen
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8_ Beim CSD Düsseldorf hat sich die Stadtspitze zwar schon öfter sehen lassen, aber eine offizielle Beteiligung an der Demo oder dem Straßenfest gab es von Seiten der Landeshauptstadt bisher nicht. Was wird sich hier ändern?


Für unseren Düsseldorfer CSD plane ich einen Infostand seitens der Landeshauptstadt. Mir ist es wichtig, auch von städtischer Seite präsent zu sein und als Ansprechpartnerin zur Verfügung zu stehen. Außerdem können wir auch so die Vielfalt der Stadt zeigen und die Community unterstützen.

 

9_ Das geplante Denkmal zur Ausgrenzung und Verfolgung von LSBTIQ in Düsseldorf soll nach dem Willen der Initiator_innen noch vor der Kommunalwahl 2020 realisiert werden. Hältst du das für realistisch?

 

Ja. Ich habe den Geschäftsführer der Kunstkommission, Herrn Grosch, kennengelernt und mit ihm über den Wettbewerb gesprochen. Die Zeitspanne ist nicht sehr lang, aber machbar; auf jeden Fall sollte das Projekt soweit gediehen sein, dass klar erkennbare Resultate vorliegen. Ich freue mich sehr, dass Düsseldorf nun auch solch ein DenkMal bekommt und es dann auch sicherlich Anstoß für neue Veranstaltungen bietet, die sich inhaltlich in Vergangenheit, Gegenwart oder Zukunft bewegen können.

 

10_ Ein zentrales Online-Portal für die LSBTIQ-Community gibt es in kaum einer Stadt – selbst in Köln nicht. Wie gefällt dir eigentlich „dq – düsseldorf queer“?


Ich klicke oft auf "düsseldorf queer" und bin dir sehr dankbar für dein Engagement, lieber Oliver. Die Themen sind vielfältig, und grad letztens war ich überrascht z.B. über den Artikel über den neuen Superintendenten Fucks.

 

Fragen: Oliver Erdmann