Queere Themen im Gleichstellungsausschuss

Im Gleichstellungsausschuss der Stadt standen in dieser Woche wieder Community-Themen auf der Tagesordnung. Das LSBT*-Forum Düsseldorf stellte seine Arbeit vor und die Kunstkommission informierte über den geplanten Gedenkort.

Bildcollage: Düsseldorf Skyline und Regenbogen-Radschläger

Das LSBT*-Forum Düsseldorf ist seit fast fünf Jahren mit zwei Sachverständigen im Gleichstellungsausschuss der Landeshauptstadt vertreten. Jetzt wollten sich die Ausschussmitglieder in ihrer Sitzung am 2. April 2019 einmal ausführlich über die Aufgaben und Ziele der Arbeitsgemeinschaft der Düsseldorfer Lesben-, Schwulen- und Trans*-Gruppen informieren. Gabriele Bischoff gab als Co-Sprecherin der AG einen Überblick über die rund 30 Community-Vereine, Institutionen und Selbsthilfegruppen, die sich seit den 1980er-Jahren regelmäßig zum Austausch und zur Koordinierung treffen. Sie verwies auf die Erfolge der vergangenen Jahre, wie die Einrichtung einer Trans*beratungsstelle, einer Fachstelle für Regenbogenfamilien und die derzeit im Aufbau befindliche Fachstelle „Altern unterm Regenbogen“. Ideen und Konzeptionsentwürfe für diese Beratungseinrichtungen seien im Forum entstanden und dankenswerter Weise vom Stadtrat wohlwollend aufgegriffen und durch eine öffentliche Finanzierung ermöglicht worden, so Gabriele Bischoff. Sie schloss mit dem „Dank, dass in Düsseldorf Lesben, Schwule und Trans* ganz selbstverständliche Teile der Bürgergesellschaft sind“.


Für die Kunstkommission Düsseldorf stellte deren Vorsitzender, Jörg Thomas Alvermann, den aktuellen Stand der Planungen und des Wettbewerbs für einen Düsseldorfer Gedenkort für die Erinnerung und Akzeptanz von geschlechtlicher und sexueller Vielfalt vor. Für den Kunstwettbewerb, an dem sich derzeit 14 internationale Künstler_innen beteiligen, hat die Landeshauptstadt einen Betrag von 200.000 Euro zur Verfügung gestellt. Der geplante Gedenkort – auch hierzu ist die Idee im LSBT*-Forum Düsseldorf entstanden – solle ein lebendiger Ort werden, der neben der Mahnung an das Unrecht, das Schwulen, Lesben und Trans* widerfahren sei, auch einen lebensfrohen Blick nach vorne auf eine vielfältige, diskriminierungsfreie Gesellschaft ermöglichen soll, so der Kunstkommissionsvorsitzende Alvermann. Angela Hebeler, Mitglied im Gleichstellungsausschuss und Fraktionsvorsitzende von Bündnis 90/Die Grünen im Rat der Stadt, sagte, es sei „bemerkenswert und beeindruckend, wie das Projekt an Fahrt gewonnen hat“. Die Chancen stünden gut, so Hebeler, dass der Erinnerungsort im Jahr 2020 realisiert werden könne.


Zuvor musste sich der Ausschuss mit Anfragen der Ratsfraktion Tierschutz/Freie Wähler an die Stadtverwaltung beschäftigen, die zum wiederholten Mal die schulische Antidiskriminierungsarbeit des Projektes SCHLAU und die erfolgreiche Jugendarbeit des queeren Jugendzentrums PULS in den Fokus nahmen. Das rote Tuch für die politisch rechts orientierte Fraktion heißt „Schule der Vielfalt“, ein Landesprojekt, das sich für eine Schule ohne Homophobie einsetzt. Man versteht sich offenbar als Sprachrohr der „Besorgten Eltern“, die eine Frühsexualisierung im Schulunterricht anprangern und die Antidiskriminierungsarbeit von SCHLAU und anderen Projekten für Propaganda der Regenbogen-Community halten. Schon in einer Ausschusssitzung im September 2018 wollte man wissen, was die Landeshauptstadt für das Projekt „Schule der Vielfalt“ ausgebe. Dass dies jedoch ein Landesprojekt ist und rein gar nichts mit SCHLAU Düsseldorf oder dem Jugendzentrum PULS zu tun hat, ist bei den Damen und Herren von Tierschutz/Freie Wähler allerdings immer noch nicht angekommen. Man bezweifelte die Antwort der Verwaltung, dass es keine städtischen Gelder für die „Schule der Vielfalt“ gebe, und setzte mit der aktuellen Anfrage noch eins drauf: Wie steht es um die berufliche Qualifikation der SCHLAU-Teamer_innen für deren „sexualpädagogische Workshops an Düsseldorfer Schulen“? Wie viel Geld hat die Stadt seit 2011 in das queere Jugendzentrum gesteckt, das das SCHLAU-Team immerhin beherbergt? Und welche Möglichkeiten haben Eltern, um ihre Kinder von dem Sexualkunde-Unterricht durch die SCHLAU-Teamer_innen fernzuhalten?


Erstaunlich viel Arbeit hat die Stadtverwaltung in die Beantwortung der provokanten Fragen der Ratsfraktion Tierschutz/Freie Wähler gesteckt. Offenbar sah man sich genötigt, ein für alle Mal zu (er-)klären, wie die drei zitierten Projekte arbeiten und miteinander zusammenhängen – oder eben auch nicht. Ausführlich wurde erläutert, wie intensiv die SCHLAU-Teamer_innen auf ihren Einsatz in den Schulworkshops vorbereitet werden. Zwischen den Zeilen mochte man vermuten, die Autor_innen der Verwaltungsantwort wünschten sich auch von dem einen oder der anderen Ratspolitiker_in eine derart umfängliche und intensive Vorbereitung auf ihren ehrenamtlichen Job. Detaillierte Zahlen zur städtischen Förderung von PULS und SCHLAU wurden vorgelegt und die inhaltlichen Ausrichtungen beider Projekte dargestellt. Eine Fleißarbeit, die beim Jugendamt viel Zeit und personelle Ressourcen gebunden haben dürfte. Gespannt darf man sein, ob der Wissensdurst der Ratsfraktion Tierschutz/Freie Wähler zu diesem Themenkomplex gestillt ist oder ob weitere Anfragen zu erwarten sind. Angelika Hebeler von Bündnis 90/Die Grünen platzte dann auch der Kragen, als noch ein Antrag der Freien Wähler zu einem anderen Thema auf der Tagesordnung stand, der noch nicht einmal – wie im Stadtrat üblich – mündlich eingebracht und erläutert wurde. Es sei eine Zumutung, dass sich der Ausschuss mit Anfragen und Anträgen befassen müsse, die noch nicht einmal politisch begründet würden, so Hebeler.

 

Weitere Infos zu dem Thema:
www.duesseldorf-queer.de/freie-waehler-gegen-schlau/
www.duesseldorf-queer.de/kunstwettbewerb-zu-gedenkort/

 

Text: Oliver Erdmann